IRAQ-SYRIA-UNREST-YAZIDI-DISPLACED

Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen

Ich fahre eigentlich immer mit dem Auto, weil ich öffentliche Verkehrsmittel nicht leiden kann und zu Fuß gehen noch nie meins war. Sogar kürzeste Wege lege ich gerne motorisiert zurück, zum 500m entfernten Billa etwa.

Ich kann Urlaube am Meer zwar ganz gut leiden, aber wirklich wohl fühle ich mich im Meer nicht. Ich kann nicht wirklich gut schwimmen und sobald ich keinen Boden unter den Füßen mehr spüre, kehre ich um ins Seichte.

Ich bin eigentlich ein ziemliches Gewohnheitstier. Das betrifft meinen Tagesablauf, meine Umgebung. Ich mag das, wenn ich da Kontinuität habe.

Ich schlafe zum Beispiel schon schlecht, wenn meine bessere Hälfte einmal einen Tag weg ist, geschweige denn eine Woche. Das macht mich unrund. Mag ich nicht.

Ich mag mein Leben hier eigentlich ziemlich gern. Meine Firma läuft gut, es fehlt mir an nichts. Gut, ich hab eine Mietwohnung, dafür aber ein schönes Haus am Land. Dort bin ich sehr gern.

Ich glaube, da geht es mehr oder weniger anderen Menschen auch so. Zumindest bei einigen dieser Punkte.

Was müsste passieren, damit ich meine a) Umgebung aufgebe, b) meine Familie verlasse, c) hunderte Kilometer, nicht Meter, zu Fuß gehe, d) alles Gewohnte und lieb Gewonnene hinter mir lasse, e) Haus und quasi Hof aufgebe und f) in einem überfüllten Boot übers Meer fahren würde, wissend, dass ich ein miserabler Schwimmer bin.

Die Antwort: Keine Ahnung. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Es wird mir in diesem Leben nämlich nach menschlichem Ermessen nicht passieren.

Ich raunze gern. Es gibt ja vieles, was mir nicht so passt. First world problems nennt man das gemeinhin.

Wie schlecht muss es jemandem gehen, dass der einzige Wunsch darin besteht einfach nur “in Sicherheit” zu sein. Nicht in der Angst leben zu müssen jederzeit umgebracht werden zu können? Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Es wird mir in diesem Leben nämlich nach menschlichem Ermessen nicht passieren.

Was muss jemand durchmachen, der alles aufgeben muss? Oder mit seinem Kind im Arm übers Mittelmeer schwimmt, Krämpfe bekommt und ums Leben kämpft? Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Es wird mir in diesem Leben nämlich nach menschlichem Ermessen nicht passieren.

Ich bin übrigens sehr froh, dass es mir nicht passieren kann. Dafür kann ich aber überhaupt nichts. Es ist ja nicht so, dass ich etwas richtig gemacht hätte und es mir deswegen nicht widerfährt.

Glück. Ich hatte schlichtweg das Glück in Österreich auf die Welt zu kommen. Jetzt bin ich ja schon ein wenig größenwahnsinnig hin und wieder, aber ich denke nicht, dass da oben jemand sitzt und sagt: “Hey, der Fußi, der ist so super, den lass ma nicht als Säugling verrecken, sondern den schick ma nach Leoben.” – Zufall also.

Und umgekehrt ist es ja nicht so, dass Menschen aus Syrien oder dem Irak etwas falsch gemacht hätten und deshalb dort geboren wurden, wo sie eben herkommen. Wieder Zufall.

Ist es Zufall, dass es diese Konflikte im Nahen Osten gibt?
Ist es Zufall, dass die Menschen Afrikas bitterarm sind, obwohl sie auf Rohstoffvorkommen sitzen, die ein behagliches Leben für jede/n ermöglichen würden?
Ist es Zufall, dass Chancen und Kapital in den Händen weniger liegen und der Rest eher nichts bis gar nichts hat?

Nein. Das sind keine Zufälle. Das sind die Folgen menschlichen Handelns. Des Agierens des politischen Personals und von Finanzkartellen und Industrieoligopolen auf unserer Welt.

Und da weiß man gar nicht, wo man beginnen soll, um etwas zu verändern. Es macht einen ohnmächtig. Man will das alles nicht, aber hat irgendwie keine Chance das zu ändern.

Wenn ich einer Grafik glauben schenke, die Stefan Sengl heute auf Twitter und Facebook geteilt hat, dann kostet uns allein die Steuervermeidung großer Konzerne und Superreicher rund 1.000 Milliarden EUR pro Jahr.  Die Unterbringung und Versorgung von 1 Mio Flüchtlingen jedoch nur 12,5 Mrd EUR.

Konzerne

Da richten es sich einige und es sind nicht die, die alles zurücklassen und hier in Sicherheit leben wollen.

Wie dumm muss man sein, um als ÖsterreicherIn Flüchtlingen auch nur irgendeine Schuld zuzuweisen?

Wie krank muss ein Hirn sein, dass man diese Menschen “ins Gas” wünscht oder sich daran erfreut, wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken?

Wie boshaft muss man sein, um als politischer Akteuer auf dieser Klaviatur zu spielen, Vorurteile zu schüren und Schwache gegen noch Schwächere aufzuhetzen?

Wie armselig muss man sein, dass man glaubt, dass diese armen Hunde uns irgendetwas wegnehmen könnten, unseren Job, unsere Wohnung oder sonst was?

Ich hab keine Ahnung, aber es widert mich einfach nur an.

An jene, die etwas in der Birne haben: Wir müssen nach oben treten. Nicht nach unten.

An den Rest: Ihr tut mir leid. Und ich hab keinen Bock mehr Euch zu finanzieren.

 

 

 

 

 

39 Gedanken zu „Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen“

  1. Hallo Rudi,
    Falls Du der bist mit dem ich die 8.Klasse im Borg Wolfsberg gemeinsam drücken durfte/mußte wie auch immer… Hut ab vor Deinen Worten!!!
    Hätt ma nie gedacht von Dir sowas zu lesen!
    Lg Petz

  2. Wo das Bewusstsein schwindet, dass jeder Mensch uns als Mensch etwas angeht, kommen Kultur und Ethik ins Wanken!
    In einem möchte ich Widersprechen. Nicht alles ist Zufall! Wir Deutschen Bürger zum Beispiel haben wenig Verantwortung gezeigt. Wir haben Verantwortung an Menschen übertragen, welche denen 10 Schuhnummern zu groß ist! Wir haben einen unglaublichen Lobbyismus zugelassen, der nur die Interessen der Wirtschaft, der Rüstung und der Reichen zugelassen hat! Wir hier in Deutschland sind nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt! Wir haben uns leider materiell sehr viel stärker entwickelt als gesitig! Und wir sind deshalb nicht unschuldig an der Misere dieser Menschen, welche auch vor unseren Waffen fliehen! Denen ging es in den verlassenen Ländern nicht zufällig schlecht! Sondern wir unterstützen die Weltdikatatur der US-Regierung um diese Länder ausbeuten zu lassen.

  3. Sehr geehrter Herr Fussi

    Ungeachtet dessen dass sie mit einigen ihrer Aussagen Recht haben, muss ich anmerken dass sie sich tatsächlich vieles nicht vorstellen können. Es würde nicht schaden den privilegierten Blick über den Tellerrand zu richten und auch die andere Seite der Medaille zu betrachten um die Ängste und teilweise Aufgebrachtheit der Bevölkerung zu verstehen. Eine vollständige Auflistung von Dingen die sie sich nicht vorstellen können wäre zu lange, aber hier ein kurzer Auszug:
    + in Österreich / Europa gibt es auch sehr arme Menschen für die sich aber kaum jemand interessiert
    + die Arbeitslosigkeit, die Wohnkosten sowie die Schulden steigen, während die Reallöhne sinken, bereits ohne/vor dem großen Flüchtlingsstrom
    + die wirklich armen Menschen in den betroffenen Gebieten können es sich nicht leisten nach Europa zu fliehen
    + es gibt viel mutwilligen Missbrauch und Schwindel im Asylwesen (Falschangaben bzgl. Herkunft und Alter, gefälschte Pässe, “nicht vorhandene Papiere”, usw…)
    + es sind unbestreitbar auch radikale Islamisten unter den Flüchtlingen
    + die Flüchtlinge werden von ihren islamischen Brüdern in Saudi Arabien im Stich gelassen
    + auf der Flucht bis nach Mittel- und Nordeuropa werden viele sichere Länder durchquert und ignoriert
    + es fallen hohe Kosten an die nun mal vom gemeinen Steuerzahler getragen werden
    + in einigen Belangen, z.B. Frauen, entspricht die Einstellungen vieler Flüchtlinge dem wovon wir uns glücklicherweise schon vor Jahrzehnten wegentwickelt haben
    + eine Bildung von Parallelgesellschaften ist sehr wahrscheinlich, diese gibt es bereits jetzt schon mancherorts (hierzu braucht man keine Vorstellungskraft, man kann die Ghettos in diversen europäischen Großstädten betrachten)
    + manchmal wird der Eindruck erweckt die Dankbarkeit ließe zu wünschen übrig wenn ich an diverse Streiks, verweigerte Folgeleistung von gut gemeinten Anweisungen, Verletzung diverser Gesetze… und die Beweggründe dafür denke
    + ….
    Ich hoffe ich konnte ihre Fantasie und ihr Verständnis etwas anregen. Trotz der prekären Situation denke ich es hilft niemandem die Augen bzw. den Kopf zu verschließen. Es geht dabei auch nicht um eine Schuldfrage und es ist nicht hilfreich Andersdenkende zu verunglimpfen. In jedem Fall MUSS jedoch armen und notleidenden Menschen geholfen werden.

    Schöne Grüsse,
    ich bin unter der angegebenen Email-Adresse erreichbar

  4. Ja lieber Herbert du hast schon teilweise recht . Aber deine Rechnung stimmt nicht ganz warum für 1mill. Flüchtlinge 12 Milliarden? Das haben wir für uns nicht zu Verfügung. LG. Günther

  5. Hallo Rudi!

    Sorry für die direkte Anrede, aber dein Text zu dem Thema Flüchtlingen macht dich sehr sympathisch – mein Name ist übrigens Tobi!

    Erstmal: echt SUPER Text, der spricht mir aus der Seele.

    - War vor Kurzem am Salzburger Hauptbahnhof – die Lage dort ist natürlich weit nicht so wie in den Medien dargestellt. Dort gelten Flüchtlinge als Verbrecher oder dergleichen. In Wirklichkeit sind es aber, im wahrsten Sinne des Wortes nur arme und harmlose Leute die nach Sicherheit streben. Behandelt werden sie aber – von Soldaten bzw. Polizisten (also genau genommen von unserer Regierung) wie gefährliche Schwerverbrecher.

    - Kritischer Punkt ist übrigens “Terroristen unter Flüchtlingen?”! Ich denke, man kann den Medien Glauben schenken, dass unter den Syrern auch andere Nationalitäten, die nicht an diesem Krieg beteiligt sind, vertreten sind. Wenn Ja, sind diese (ich nenne sie jetzt Terroristen) wirklich so dumm und riskieren ihr Leben, nur um die geflüchtete Bevölkerung irgendwann auszulöschen?

    - Bzg. dem Punkt “wir müssen nach oben treten”: heutzutage schafft man es als Einzelne nicht etwas in der Politik oder speziell gegen Politiker zu unternehmen. Traurig aber wahr!?

    Ich hoffe es gibt noch viele viele mehr von uns .. & vielleicht hast du ja Zeit für eine Antwort.

    LG Tobi D.

    PS: ich habe dir oben mein Facebook-Profil (ganz normal privat) dazugehängt, falls du dir ein kurzes Bild von mir machen willst.

  6. Ach ja, und für den Herrn Arno:

    + es ist Ihnen unbenommen, sich für Ihre armen Mitbürger zu interessieren und zu helfen;
    + Arbeitslosigkeit, hohe Wohnkosten und Staatsschulden sind wohl kaum den Flüchtlingen anzulasten, also bitte an der richtigen Stelle deponieren;
    + die ‘wirklich Armen’ wollen Leute wie Sie ja noch weniger hier haben, leider sind es ja gerade diese, die schlecht integriert werden können;
    + es gibt viel mutwilligen Missbrauch und Schwindel im österreichischen Sozialwesen – von Österreichern;
    + es gibt viele inländische Idioten, die wir durchfüttern müssen und ich glaube, dass Terroristen nicht unbedingt ihr Leben riskieren müssen, um nach Europa zu kommen, die haben bequemere Wege;
    + Saudi Arabien hat – zumindest – einen großen Teil der Schuld an den Zuständen in Syrien und Irak (nachlesen, aber bitte nicht in der Kronenzeitung!), die Touristen aus diesen Ländern werden bei uns hofiert, weil sie mit Geld um sich schmeissen;
    + welche ‘sicheren’ Länder? In welchen von diesen würden Sie leben wollen, wenn Sie gerade dem größten Elend entkommen sind und wählen könnten? Oder sprechen Sie diesen Menschen generell ab, sich die bestmögliche Zukunft für sich und ihre Familien zu wünschen?
    + der ‘gemeine Steuerzahler’ wird immer zur Kasse gebeten – für Hypo Alpe Adria, für marode Banken und für noch ganz andere Grauslichkeiten, die wir nie erfahren, für Wahlkampfkosten, für Parteien, die nur die Interessen ihrer Klientel verfolgen etc., etc., die Liste ist endlos;
    + die ‘Einstellung zu Frauen’ – nun ja, das wäre ein abendfüllendes Thema; wie auch immer – Integration ist das Zauberwort und niemand hat gesagt, dass wir nicht auf die Einhaltung ‘unserer Regeln’ im Zusammenleben bestehen sollen, aber was hat das mit der Hilfe für Mitmenschen zu tun?
    + Integration und Miteinander verhindert die Entstehung von Parallelgesellschaften, Ausgrenzung und Ablehnung fördern sie;
    + die Dankbarkeit ist groß – man muss es nur sehen wollen und sich nicht immer auf irgendwelche, womöglich noch falsch verstandene, womöglich sogar absichtlich falsche Informationen diverser Käseblättchen verlassen und alles nachplappern, was Schlechtmenschen so absondern;

    >>Ich hoffe ich konnte Ihre Fantasie und Ihr Verständnis etwas anregen.<< Zitat Ende.

  7. Danke für diese Worte. Danke, dass Jemand Hirn und Herz besitzt und Menschen für gleichwertig erachtet. Du bist ein Vorbild. Danke dafür!

  8. “Die Flüchtlinge” gibt es nicht! Es handelt sich dabei um unterschiedliche Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit, mit unterschiedlichem Bildungsniveau, mit unterschiedlicher Vorgeschichte, mit unterschiedlichen Vermögensverhältnissen und mit unterschiedlichen Namen. Herr Strache ist auch Österreicher, so wie ich. Ich möchte aber auch nicht mit ihm in einen Topf geworfen werden, wenn ich im Ausland bin!

  9. Hallo Leute,

    Der text scheint zunächst relativ sachlich, respekt für diese Leistung!

    title=”dennoch..”>
    Einen punkt habe ich und der stört gewaltig..
    Das flüchtlinge oder besser migranten und nichts wegnehmen können wie arbeit oder ähnliches

    Können sie wohl nur im moment nicht.. Warum¿sie haben keinen positiven asylbescheid! Jetzt werden einige sagen : ja auch mit dem darf man nicht soforr arbeiten!
    Soweit so gut.. Nur auf dauer können nicht alle vom staat versort werden. Die verfahren werden beschleunigt und so finden wir unsere einstigen einwanderer im arbeitsmarkt wieder.. Ein überschuss an arbeitsplätzen

    Als unternehmer musste ich heuer zwei leute kündigen da die steuern zu hoch sind

    So die migranten sind somit billiges personal! Koch ,kellner ,sekretär und vorallem am bau werden plätze futsch gehen..

    title=”nachdenken!”>

  10. Wo du anfangen kannst etwas zu ändern, fragst du? Bei DIR, und das ist auch gleichzeitig die einzige Möglichkeit.
    Z.B. Könntest du die 500m zum BILLA zu Fußgehen -> Sprit sparen -> der Öl-Lobby eins auswischen -> usw.

  11. Die glückliche Stunde der Geburt haben wir, und viele, sehr viele Menschen leider nicht !

  12. Ich stimme voll zu. Eine kleine Erweiterung: Nicht nur hunderte, sondern sogar TAUSENDE Kilometer werden teilweise zu Fuß gegangen. Aleppo -> Graz sind laut Google-Maps 2744km! Und die liegen schon ziemlich nah an den entsprechenden Grenzen.

  13. Der zentrale Satz dieses Kommentars von Rudi Fussi lautet meiner Meinung nach: “Es wird mir in diesem Leben nämlich nach menschlichem Ermessen nicht passieren”. Und genau deswegen ist die Antwort von “Arno Nym” völlig deplatziert. Insbesondere der Vorwurf, Fussi würde keinen Blick über den Tellerrand richten. Denn der Tellerrand jene Leute, die “Arno Nym” in seinem Kommentar repräsentiert, reicht vielfach nicht aus, um an diesen von R. Fussi geschriebenen Satz auch nur zu denken.
    Für die Armut in diesem Land gibt es den Sozialstaat. Und der funktioniert so gut, dass es in diesem Land viele gibt, die sagen, er funktioniere zu gut.
    Dass Saudi Arabien keine Flüchtlinge aufnimmt, kann man den Flüchtlingen nicht vorwerfen.
    Dass sich in Europa Parallelgesellschaften entwickelt haben, kann man den jetzt ankommenden Flüchtlingen auch nicht vorwerfen, sondern vor allem der Integrations- und Bildungspolitik der europäischen Staaten.
    Und dem Rest des von “Arno Nym” geschriebenen Kommentars kann man einfach so antworten: Die Gesetze und Bestimmungen, die es in der EU in Bezug auf Flüchtlinge und Migration gibt, sind für eine derartige Fluchtbewegung völlig ungeeignet. Das wurde auch schon von europäischen Politikern mehrfach zugegeben. Und ungeeignete bzw. nicht praktikable Gesetze wurden immer schon früher oder später von jenen Leuten, für die sie gelten, gebrochen bzw. von den Behörden auch nicht mehr angewendet. Das Beste, was man für die EU und seine Bewohner tun kann, ist all diese Gesetze zu entsorgen (allen voran “Dublin”) und ein Gesetzeswerk zu schaffen, das auf solche Fluchtbewegungen zugeschnitten ist. Denn wenn sich die Welt in der jetzigen Form weiterdreht, wird diese Massenfluchtbewegung nicht die letzte gewesen sein.

  14. Ich stimme Ihnen zu 100% zu, aber ich würde doch ganz gerne eine Antwort auf folgende Fragen hören. (Sind ohnehin Multiple Choice. Nur so um Sie und andere zum Denken zu zwingen, um diese einseitige, naiv-humane Sichtweise ein wenig zu relativieren.)

    Die Zuwanderung zigtausender Menschen aus dem Nahen Osten wird….
    1.) … die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft insgesamt
    a) verbessern b) verschlechtern
    2.) … die Akzeptanz Homosexueller in der Gesellschaft insgesamt
    a) verbessern b) verschlechtern
    3.) … das Leben von Transpersonen in der Gesellschaft insgesamt
    a) erleichtern b) nicht erleichtern
    4.) … die Entwicklung einer laizistischen Gesellschaft
    a) erleichtern b) nicht erleichtern
    5.) … die Situation der jüdischen Minderheit
    a) erleichtern b) nicht erleichtern
    6.) … die Situation hier lebender Menschen mit schlechter Ausbildung
    a) erleichtern b) nicht erleichtern

    Nur ein kleiner Auszug von Fragen, die in Österreich komplett ausgeklammert werden, was die klatschenden Menschen am Bahnhof – bei jedem Respekt vor ihrer Hilfsbereitschaft – vor allem als naiv outet.

  15. Antwort an Franz:

    Sie glauben also, dass eine Gesellschaft, die aus ca. 8 Mio Menschen besteht, von 80.000 – 100.000 zusätzlichen Menschen verändert werden kann. Wenn das wirklich möglich sein sollte, ist die Ursprungsgesellschaft nichts wert, weil sie sich selbst nicht kennt. Hingegen ist eine Gesellschaft, die sich selbst und ihre eigenen Werte kennt, sehr wohl in der Lage, diese Anzahl von Menschen (und noch einige mehr), die von außen kommen, aufzunehmen und zu integrieren. Und jeder Mitteleuropäer, der einem Moslem vorwirft, seine islamische Kultur zu kennen und nach ihr zu leben, sollte sich selbst fragen, ob er überhaupt in der Lage ist, seine eigene mitteleuropäische Kultur im selben Ausmaß zu leben. Da habe ich in vielen Fällen große Zweifel.

  16. Ich würde Ihnen so gern uneingeschränkt zustimmen, wenn ich Ihnen nicht in einem – nur einem einzigen – Punkt widersprechen müßte.
    Bevor es zu Mißverständnissen kommt: Auch wenn ich hier von “Flüchtlinge” oder “die Flüchtlinge” spreche, meine ich doch nur einige. Wie viele das sind – wer weiß das schon mit Sicherheit?
    Sie schreiben weiter oben: “…dass der einzige Wunsch darin besteht einfach nur “in Sicherheit” zu sein”. Ist das wirklich so? Warum dann die teils heftigen Proteste, wenn man von Grenzern nicht mehr nach Österreich, Deutschland oder noch weiter gen Norden gelassen wird? Warum will/muß man ausgerechnet dahin? (Nicht, daß ich das grundsätzlich mißbilligen würde.) Aber ist es in der Türkei, in Griechenland, Zypern, Ungarn und – wenn man es so weit geschafft hat – Österreich denn etwa NICHT sicher???
    Wohlgemerkt, wir sprechen von einigen, nicht von allen; und ich will auch gern glauben, daß der eine oder andere Flüchtling Freunde oder Verwandte in Deutschland, Dänemark, Schweden oder Norwegen hat. Außerdem willl ich auch gern den psychologischen Faktor berücksichtigen: daß man nämlich den größten Wunsch hat, auch physisch möglichst weit weg vom Ort des Schreckens zu sein.
    Und dennoch: Bilder von protestierenden Flüchtlingen, die man nicht ins nächste Land weiterreisen läßt, lassen – zumindest bei einem Teil der Bevölkerung – den Eindruck entstehen, es seien eben DOCH Wirtschaftsflüchtlinge, die den Krieg nur als Vorwand nehmen, um “sich als Sozialschmarotzer in unserer Gesellschaft einzunisten und von unserem Reichtum zu profitieren” (O-Ton eines “besorgten Bürgers”).

  17. Es ist auch nicht vorstellbar. Das will erlebt sein. Meine Großeltern erzählten mir vom sudetenland und von Ostpreußen und das waren für mich ‘Geschichten’ wie jetzt eben auch hier für alle denen so ein Erlebnis erspart blieb. Wenn man aber den Fehler macht in einem Land zu leben wo die NATO eben noch nicht ‘durch’
    ist, Libyen, dann kann der Verdacht aufkommen das flucht vielleicht erblich ist. Nur war die Flucht selbst nicht das eigentliche Problem, ohne Geld – wer schafft es schon vor der Revolution sein Konto zu räumen – einfach nur mit den Sachen die man in disem Moment der Entscheidung vor sich hat, rein in den Rucksack und der nächste Flughafen ist über 1000 km entfernt – es geht, denn Menschen helfen..
    Das dicke Ende kommt dann in der Form der österreichischen beamtenschaft und Behörden, die können eine Existenz dann nicht nur bedrohen sondern schlicht vernichten. Mit Hilfe von der ihnen eigenen Ignoranz gelingt das im Handumdrehen – auf meinen österreichischen Pass bin ich nicht mehr stolz

  18. Von Herzen 1000 -Dank für diesen einfühlsamen Bericht und das
    ” Aufrütteln ” an die Nation!
    D a n k e…….

  19. Da ist etwas in Bewegung geraten- dort die Menschen, mit nichts weiter als was sie zum Teil in Plastiksäcken mittragen und hier die Kommentare, die durch ihren selbstkritischen Blick nachdenklich machen und erschüttern. Diese Bewegung ist spürbar bis ins Herz. Wird da nicht Vieles, um das wir bangen, unnötig?
    Diese Zeit fordert uns auf aus dem “Ich denke, also bin ich” hin zum “Ich bin das, was ich geschaffen habe. Nur das bleibt.” uns zu wenden. Dieses Christusbewusstsein steht über kleinlichen Konfessionsängsten, weckt uns aus der Gemütlichkeit und hilft uns besser zu unterscheiden, was wie in der Welt wirkt.
    Ein Menschenbild, das uns auffordert, die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens zu entwickeln, öffnet für eine Dimension, die in die Zukunft weist und nicht abschließt.

  20. Ich bin definitv auch dafür Flüchtlingen zu helfen.
    Meine Form der Hilfe:
    -Eine schöne, saubere Unterkunft.
    -ausreichend Essen
    -gute und warme Kleidung
    und sonst nichts!!!!!!!!!!!!
    Geld wird meines Erachtens nicht benötigt, wer Angst um sein Leben hat, muss mit den oben genannten Hilfen zufrieden sein.
    Und ich gehe fest davon aus, daß sich hierdurch der “Flüchtlingsstrom” um 80% reduzieren lässt.
    Und zum Thema Integration.
    Nicht nur wir müssen die Flüchtlinge integrieren, sondern die Flüchtlinge müssen auch hierzu bereit sein. Wenn z.B. ein Flüchtling nach 10 Monaten Aufenthalt gerade mal ein paar Brocken Deutsch spricht, so spricht das nicht für den Integrationswillen, oder?
    Und noch so nebenbei. Wenn ich Bilder von vermumten mit Steinen werfenden Flüchtlingen sehe, welche hierdurch erreichen wollen, daß sie nach Deutschland oder Österreich kommen, so freue ich mich jetzt schon auf diese überaus freundlichen Menschen. Ich bin auf weitere Reaktionen gespannt, wenn sie dann mit was anderem nicht zufrieden sind.
    Ich betrachte die ganze Entwicklung auf jeden Fall mit großer Sorge und bin NICHT der Meinung, daß wir das schaffen, wenn es so weitergeht. Und ich glaube auch, ich bin nicht allein mit meiner Meinung. Bei einem NTV Beitrag wurde im Hintergrund eine Umfrage für und gegen der Grenzschliessung durchgeführt. 96% beführworteten die Grenzschliessung. Noch Fragen???

  21. Also wenn man eure Kommentare so überfliegt stell ich mir folgende Frage: Warum diskutiert ihr so viel darüber, was falsch läuft in unserem Staat und brabbelt solch Zeug, das jeden Tag in den Medien verzapft wird? Das Gerede hängt einem schon zum Hals raus. Das ist nichts anderes, als uns die Politiker vormachen. Reden, schreiben, weil es so bequem und einfach ist. Warum nutzt ihr nicht die Zeit und:
    sucht in euren Kleiderschränken nach Sachen die ihr nicht braucht? Warum nehmt ihr nicht die Spielsachen, die ewig nicht beachtet wurden und gebt sie in einen beschrifteten Sack? Warum schaut ihr nicht auf eure Konten, ob es möglich ist, dass ihr einen Einkauf macht und alles zum Bahnhof bringt? Warum fahrt ihr nicht direkt hin, wo eure Hilfe gebraucht wird? Wenigstens 1 Mal?
    Jede Hand wird benötigt, jedes Lächeln multipliziert sich und gibt Mut und Hoffnung. Ich wohne beim Westbahnhof und sehe täglich, was möglich ist. Lasst die Hirnwichserei und gehen wir daran unsere Menschlichkeit zu zeigen. Helfen wir.

  22. “Es wird mir in diesem Leben nämlich nach menschlichem Ermessen nicht passieren.”
    Dieses Ermessen kann sich leider schnell ändern. – So richtig lange ist es nicht her, dass Menschen in Deutschland und Österreich alles hinter sich gelassen haben um in Sicherheit zu gelangen.

  23. Ich war Neugierig was eine liebe Freundin bei FB gepostet hat und bin an deinen Sätzen hängen geblieben! Es sind sehr gute und wahre Worte die du geschrieben hast. Respekt vor so viel Menschlichkeit und Würde. Daumen hoch….

  24. Ich habe mir jetzt einige Kommentare durchgelesen, sowohl pro als auch contra. Ich glaube bei all den übertrieben geschürten Ängsten und dem oft unangebrachtem sozialem Verhalten, wir haben es mit einem Problem zu tun, welches sehr komplex ist. Wir stehen mitten in einer Völkerwanderung die sich nicht aufhalten lässt. Niemand hat wirklich eine Patentlösung dafür. Nutzen wir doch unsere ganze Kraft alles zum Guten zu wenden.

  25. Mitgefühl und Empathie ist der erste Schritt – den haben Sie exzellent bewältigt. Daran etwas zu ändern, dass wir auf Kosten der Anderen leben, wäre ein nächster. Erkennen, dass man eben nicht zum Billa 500 Meter mit’m Auto fahren muss (ist nur ein Beispiel, weil Sie’s genannt haben) – weniger verbraucht, weniger Schaden im Rest der Welt anrichtet und letztlich dennoch ein gutes Leben führt. Ohne diesen nächsten Schritt wird sich nie was ändern. Weil die Politik nie zu Änderungen bereit sein wird, wenn sie nicht sieht, dass die gesellschaftliche Akzeptanz dafür da ist.

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