Kategorie-Archiv: Leben

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“Adolf Hitler, wir brauchen Dich dringend”

Seit Jahren bin ich in sozialen Medien unterwegs und interessiere mich überdurchschnittlich für Politik. Es ist auch zu guten Teilen mein Beruf.

Seit Jahren beobachte ich, dass -sicher auch sichtbarer durch Social Media als früher- Aggressionen zunehmen und Feindbilder bedient werden.

Seit Jahren lese ich Dinge, die ich ob ihrer Dummheit gar nicht glauben kann. Noch weniger kann ich dann meist glauben, dass das Leute mir ihrem Klarnamen posten.

Seit Jahren legt die FPÖ bei Wahlen überdurchschnittlich zu, antisemitische und rassistische Übergriffe ebenso.

Seit Jahren denke ich mir, dass das keine relevante Anzahl an Menschen sein kann und “wir” eh noch in der Mehrheit sind.

Seit Jahren hetzen FPÖ und Kronen Zeitung gegen “Ausländer”, “Asylanten” und “Fremde.

Das Ergebnis kann man sich auf eaudestrache.at ansehen. Die Seite listet Postings von FPÖ-Sympathisanten und FPÖ-Mitgliedern auf FPÖ-Seiten und/oder anderen Seiten auf.

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Seit Jahren bemühen sich unzählige Initiativen und NGOs um ein besseres Miteinander, um Aufklärung.

Seit Jahren hat es keine so große Hoffnung für einen Aufschwung für ein weltoffenes Österreich gegeben.

Seit Jahren hoffen Homosexuelle auf Gleichstellung, seit genauso langer Zeit hetzt die FPÖ dagegen.

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Seit Jahren sorgt der Ton auf FPÖ-Plakaten für eine Verschärfung des Umgangstons in der Politik.

Seit Jahren versucht die FPÖ Sorgen, Frust und Abstiegsängste auszunutzen und präsentiert Schuldige.

Seit Jahren schürt die FPÖ Hass, Aggression und Ablehnung.

Seit Jahren appeliert die FPÖ oft mehr, oft weniger deutlich an das völkische Bewusstsein ihrer Anhänger.

Seit Jahren werden politische Mitbewerber denunziert, beschimpft, beleidigt.

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Seit Jahren geht das nun so.

Seit Jahren haben viele Menschen Angst. Angst, weil sie einer Minderheit angehören. Weil sie keine geborenen Österreicher in zwanzigster Generation sind.

Seit Jahren fühlen sich Menschen bedroht. Und ich gestehe: Auch mir macht vieles davon Angst.

SCHNITT

Die Identitären rufen am 6.6. zu einer Demonstration gegen den, wie sie ihn nennen, GROSSEN AUSTAUSCH auf. Und sie beschreiben ihr Vorhaben auf www.deraustausch.at ausführlich.

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Kurz gesagt: Es gibt einen Geheimplan zur Ausrottung unserer Rasse. Wir sollen durch Schwarze und andere ersetzt werden. Darum muss man sich wehren. So weit, so krank.

Man muss sich ja nur deren Seite durchlesen. Alle adrett gekampelt, meist Burschenschafter, viele sind FPÖ-Funktionäre. Was die schreiben, was die denken und was sie tun ist alles weit weg von der Realität. Es ist Gaga. ABER: Es ist sehr gefährlich.

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Diese Identitären haben nun vorgestern den Balkon einer EU-Agentur am Schwarzenbergplatz besetzt und ich war zutiefst schockiert.

Sind wir schon wieder so weit gekommen, dass braune Horden durch unsere Straßen ziehen? Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt? Hat die jahrelange Hetze der FPÖ nun gesiegt?

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Und ja, in diesem Moment habe ich getwittert, dass man die vom Balkon runterschießen solle. In meiner Emotion. Unter dem Eindruck der jahrelangen Hetze und der Entwicklung unserer Gesellschaft. Des Hasses.

Das Bild von dieser Demo war grauenhaft. Einschüchternd.

Trotzdem war meine Aussage falsch. Genauso dumm wie der folgende Tweet, den man als Gewaltaufruf verstehen hätte können, in dem ich dazu aufgerufen habe, die Identitären am 6.6. zu zertrümmern. Gewalt löst kein Problem und ich hoffe sehr, dass wir nie an den Punkt kommen, wo wir uns mit Gewalt gegen braune Horden wehren MÜSSEN.

Ich habe diese meine Aussagen sofort als Fehlleistung bezeichnet. Damit war für mich die Geschichte erledigt. Doch dann kam die Heuchelei: FPÖ-Generalsekretär Vilimsky, den keiner ob seiner Arbeit kennt, hat da natürlich Lunte gerochen, um einem Linken etwas umzuhängen und hat meine Tweets sofort publiziert, worauf ich nette Fanpost und Postings erhalte.

Drohnungen, Beschimpfungen und Lustiges.

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Seit Jahren kämpfe ich gegen die FPÖ, deren Methode und die Folgen ihrer Menschenhetze. Es hat mir bisher rund 26 Klagen eingebracht und mehr als 150.000 EUR gekostet.

Seit Jahren fühle ich mich immer wieder mal bedroht, aber das vergeht ja wieder.

Seit Jahren komme ich hin und wieder an den Punkt, an dem ich mir denke, wofür kämpft man da eigentlich. Macht das Sinn?

Es hat noch nie so viel Sinn gemacht wie heute. Es ist eigentlich unsere Pflicht.

 

UPDATE: Die Identitären prüfen eine Klage gegen mich. Sagen sie hier in der Presseaussendung: LINK  Das beeindruckt mich natürlich wahnsinnig.

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Wir sind tolerant. Und wie! – Über Schwuchtelampeln, Neger und Weiber

Es gibt in Wien rund 1.280 Ampelanlagen. Sagt die Stadt Wien. Auf ganzen 49  – das sind 3,83% (würde bei einer Wahl nicht für den Einzug reichen, Anm.) – sind jetzt Homo-Pärchen zu sehen. Mit ein paar Herzerln. Das reicht natürlich für einen Aufreger allemal aus. Schwuchtelampeln! Man muss seine Augen bedecken, um nicht umgehend schwulifiziert zu werden. Könnte man meinen, wenn man vielen Online-Kommentaren Glauben schenkt. Auf Krone.at voten rund 88% gegen die Beibehaltung der Homo-Ampeln, was nichts daran ändert, dass sie bleiben werden. Was auch gut ist.  Sind ja ein tolles Signal. Für Offenheit, Toleranz und so. Auch David Alaba ist so ein Signal. Mit Negern kann der gemeine Österreicher nichts anfangen. Mit unserem David Alaba aber schon. Der ist halt ein Ausnahme-Neger. Übrigens sind wir ja sehr tolerant. Hier bei uns. Glauben wir von uns selbt, sagt eine neue Studie. Dieselbe Studie sagt aber, dass wir unsere Nächsten für nicht wirklich tolerant einstufen.  Oder Conchita. Unsere Heldin. Unser Held. Ein/e Gewinner/in! Das schwul sein ist dem/der halt passiert, aber singen tut sie/er super. Wir sind ja auch für Frauen in der Politik, wählen sie halt nur nicht. Mehr Frauen ih Führungspositionen wären total super, aber als Chefin zum Beispiel? So weit kommts noch, dass uns ein Weib erklärt, wie ich meine Arbeit zu machen habe. Außerdem tragen wir sowieso hin und wieder den Müll raus, und helfen mit. Aber dieses Gerede von Gleichstellung von diesen frustrierten, ungefickten Emanzen regt uns schon auf.  Lesben finden wir besser als Schwule. Weil wir ja das schon geil finden, wenn zwei Frauen…

Das mit den Schwuchteln ist sowieso so ein Thema. Wir haben ja an sich kein Problem damit, solange es nicht der eigene Sohn ist. Wir finden, dass man tolerant sein muss, aber gemeinsam duschen muss nicht sein. Wer will schon das Gefühl entwickeln, dass man nun zum Opfer einer Belästigung werden könnte. Nein, die Belästigung, das ist ein Privileg für uns. Im Umgang mit Kellnerinnen zum Beispiel. So ein Grapscher ist ja nichts Schlimmes. Bis zum Heiraten ist alles wieder gut. Vielleicht lernt man ja so seine Zukünftige kennen. Die heiratet man dann. Das dürfen die Schwuchteln allerdings noch nicht. Was komisch ist, weil sie ja die selben Rechte haben sollten, aber Ehe, naja, ich weiß nicht. Das geht uns dann schon zu weit. Oder Kinder adoptieren. Die werden dann vielleicht auch schwul. Oder lesbisch. Oder lassen sich einen Bart wachsen. Es reicht doch, dass jetzt rund um Life Ball und Song Contest alle glauben, dass wir eh tolerant seien. Dazusagen, dass Schwule und Lesben rechtlich alles anderes als gleichgestellt sind, müssen wir ja nicht. Es geht ja ums Signal. Das ist total wichtig. Wichtiger ist ja das, was die anderen von uns denken und nicht das, was wir eigentlich sind.

Eigentlich sind wir also schon tolerant. Wir tolerieren, dass wir rund um die Uhr von jenen verarscht werden, die wir gewählt oder nicht gewählt haben. Wir tolerieren, dass die mit unserem Geld eigentlich ziemlich viel Blödsinn machen. Übrigens war der Hypo-Generaldirektor weder ein Weib, noch Neger, noch Schwuchtel. Aber das wär ja noch schöner.

Der nächste Diversity-Ball kommt bestimmt. Und wenns der nicht ist, dann ist es der Life-Ball. Oder so eine Flüchtlings-Gala, bei der wir wieder Geld für die ertrinkenden Negerkinder sammeln. Weil sterben sollen sie nicht, sie sollen ruhig leben dürfen. So tolerant sind wir nämlich schon lang.

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Brief an Christkind und Weihnachtsmann

“Was wünscht Du Dir eigentlich zu Weihnachten?” – Jeder von uns kennt diese Frage, oder? Und viele von uns finden nicht einmal eine Antwort darauf. “Hab eh alles, was ich brauche, aber lieb von Dir, dass Du fragst!”, pflege ich zu antworten. Andere wiederum können keine eindeutige Antwort geben, weil sie nicht einmal wissen, was sie zuerst benötigen. Hunderttausende Menschen können ihre Wohnungen nicht heizen und sitzen mit Annorak und Pulli in der Wohnung. Zwei Welten. Ein Land. Dieses Land ist Österreich.

Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt. Trotzdem gibt es Armut. “Es geht uns ja noch besser als den meisten.” Ja, stimmt. Und?

Was wünscht man sich, wenn man alles hat? Gesundheit, sagen dann viele. Schon bin ich bei meinem Freund Kurt Kuch, der einen Kampf um sein Leben führt. Was bringen all die materiellen Güter, “man kann sie ja nicht mitnehmen”, wie man bei uns in der Steiermark so schön sagt. Weihnachten ist Einkehr. Und so denke ich dieser Tage an jene, denen es schlechter geht als mir, frage mich, warum das so ist und sein darf.

“Reicher Mann und armer Mann, standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.”, schrieb schon Brecht. Natürlich meinte er das im klassenkämpferischen Sinne, aber lassen wir den Satz einmal so stehen. Wir leben in einer Welt in der alles im Überfluss vorhanden ist. Man muss Jean Ziegler nicht mögen, aber die Fakten sind erdrückend. Es mangelt uns an nichts und trotzdem verhungern im Minutentakt Menschen. Keine Sorge, will nicht sozialromatisch sein. Aber es muss einen Grund haben, warum das so ist. Und der Grund sind wir selbst.

Ich sitze in meinem Landhaus im Waldviertel. Weihrauch am Herd, Weihnachtslieder tönen aus den Lautsprechern. Sonos-Boxen, die mir Kurt Kuch empfohlen hat. Man freut sich über ein gutes Essen, heitere Momente, Gespräche. Die Probleme haben hier nichts verloren.

Alle sind wir gegen Kinderarbeit und konsumieren Produkte, die mit ziemlicher Sicherheit von verletzlichen Händen Kleiner bearbeitet wurden. Gegen die Ausbeutung von Menschen in der dritten Welt sind wir natürlich auch. Und konsumieren Dinge, die diese Ausbeutung fördern. Auch ich. Jeder von uns. Fast jeder von uns.

Ich werde wieder mal wütend. Viel braucht es dazu ja nicht. Es reicht ja, wenn man sich Nachrichten ansieht. Es wird berichtet, dass A etwas sagt, dass B schlecht findet. Und C weiß alles besser. Ich wäre oft der C, glaube ich. “Das kann ja nicht so schwer sein.”

In dieser Blase in der wir leben, heute nennen wir sie Twitter, diskutieren wir den ganzen Tag unwichtige Scheiße. Wann wählt Wien, wer setzt sich wo durch, wie wirkt sich der Notariatsakt bezüglich des Wiener Wahlrechtes aus, der Y hat im Vertrauensindex eingebüßt und wird D bei ihrer neuen Zeitung eigentlich glücklich und kann die Zeitung W diesen Abgang kompensieren? Und außerdem hat E mit der F geschnackselt, obwohl E ja mit der G verheiratet ist. Wobei Schnackseln wenigstens eine gewisse Wichtigkeit hat.

Wir wählen Politiker, damit sie unser Geld verwalten und in unserem Sinne Entscheidungen treffen, unser Zusammenleben organisieren bzw. einen Rahmen dafür schaffen. Und was wollen wir, so ferne es dieses Wir überhaupt gibt?

Ich glaube, dass Wir nicht viel wollen. Leistbaren Lebensraum, Bildungschancen, eine Absicherung fürs Alter, eine sorgenfreie Zukunft für unsere Kinder, keine Angst haben müssen vor der Pflegebedürftigkeit, funktionierendes Gesundheitssystem für Alle und ein soziales Netz, das uns in Krisenzeiten auffängt und trampolinartig wieder zurück in ein Leben mit Arbeit schießen kann.

Ich bin überzeugt davon, dass wir dafür genügend Geld zur Verfügung stellen, ja, wir stellen sogar viel mehr Geld dafür zur Verfügung als es bräuchte. Nur versickert einfach vieles davon. Oftmals auch, weil sich eben diese Politiker nicht mehr um die Vertretung unserer Interessen, sondern nur um ihre eigenen Interessen kümmern. Diese Kluft ist entstanden und sie wird immer größer.

Wenn ich mir etwas wünschen könnten, dann wünschte ich mir, dass die Politik endlich zur Vernunft käme und sich wieder um ihre ureigenen Aufgaben kümmern würde. Nämlich das, was wir uns wünschen würden, zu berücksichtigen und sicherzustellen. Damit das gelingt, müsste sie sich selbst nicht nur hinterfragen, sondern verschlanken, die gewachsenen Systeme und Pfründe zurückbauen.

Wir sind mitten in einem Verteilungskampf, werden aber durch das ständige Gelddrucken noch etwas sediert, die harten Einschnitte kommen erst. Ich habe die Befürchtung, dass die politische Klasse hier nicht unsere Interessen vertreten wird, sondern wieder einmal ihre eigenen.

Im übrigen ist mir völlig egal, ob mir das Christkind oder der Weihnachtsmann diesen Wunsch erfüllte, wissend, dass beide am Salzamt wohnen.

Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssten wir das wohl selbst tun. Aber das wäre ja ein Schritt aus der Komfortzone. Also sind wir wieder mal selbst schuld.

Frohe Weihnachten.

 

 

(Coverpic von ronnytoons.at)

 

 

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EXCLUSIV: Heterosexualität – Ein Leben voller Widerspruch

Vertreter des biologischen Determinismus behaupten, dass in gewisser Weise Gene für Dinge wie aggressives Verhalten und Heterosexualität verantwortlich seien. Ein heterosexuell empfindender Mensch sei daher für seine Neigung nicht verantwortlich zu machen, im Gegenteil, er habe das Recht, seine Neigung auszuleben. Jedoch: Alle wissenschaftlichen Versuche, mit denen man nachzuweisen versuchte, dass eine heterosexuelle Neigung biologisch determiniert ist, sind gescheitert.

Immer wieder wird das Recht auf Selbstbestimmung angeführt, und Heterosexuelle betonen, dass sie sich eben nur zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen fühlen. Bei genauer Betrachtung ihres familiären Umfeldes lassen sich jedoch oft markante Aufmerksamkeitsdefizite in ihrer Kindheit feststellen. Jedes Kind möchte geliebt, respektiert und geehrt werden, und es ist eine schmerzhafte, quälende Erfahrung, von den Eltern missachtet, alleine gelassen, nicht geliebt worden zu sein.

Heterosexuelle fordern Toleranz und Nachgiebigkeit gegenüber ihrer Lebensweise, und wenn man diese nicht anerkennt, empfinden sie das als intolerant und diskriminierend. In der heterosexuellen Neigung stecken sehr viel Egozentrik und Selbstliebe. Da Heterosexuelle die absolute Selbstbestätigung ersehnen, sie aber nicht erfahren, fühlen sie sich als Opfer einer hinterlistigen, böswilligen Welt. Dieses allgegenwärtige Unrecht gilt es zu beseitigen, um endlich der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Gerechtigkeit wird allerdings auf den Kopf gestellt, denn sie verstehen Gerechtigkeit als Verpflichtung, ihnen zuzuerkennen, was ihnen nicht zusteht: Nämlich über das Leben zu bestimmen.

Sie sind in der Vorstellung verhaftet, dass ihre Würde etwas Gegebenes ist und von niemandem eingeschränkt und in Frage gestellt werden darf, auch wenn sie sich selber würde- und respektlos verhalten. Sie meinen, sie besäßen eine Art Blanko-Eintrittskarte, auch in den Himmel. Wer sein Recht auf Anerkennung und Menschenwürde so versteht, sieht sich missverstanden, in seiner freien Meinung eingeschränkt und diskriminiert, da andere aus den Menschenrechten nicht diese unbegrenzten Möglichkeiten ableiten.

Der Missbrauch der Freiheit

Rassismus, religiöse Intoleranz und Unterdrückung sind der Ausdruck von Vorurteilen und Hass gegenüber Menschen anderer Hautfarbe, Traditionen, anderen Glaubens und Geschlechts. Diesen Umstand nutzen Heterosexuellenvertreter, um Heterosexualität und jede Form von sexueller Lust bis hin zur Sexsucht als angeborene Neigung, als Andersartigkeit darzustellen. In Wirklichkeit seien sie ein Teil der wunderbaren Farbigkeit des Lebens. Heterosexuellenvertreter übersehen dabei mit Absicht, dass ihre Lebensweise für das Leben und die Gesundheit ein hohes Risiko darstellt. Und sie wollen auch nicht wahrhaben, dass Heterosexuelle nicht wegen ihrer Andersartigkeit, sondern wegen ihrer lasterhaften, selbstzerstörerischen Lebensweise zurückgewiesen werden. Heterosexuellenlobbys stellen heterosexuelle Menschen als reine unschuldige Opfer hin, die für ihre Neigung und ihr Sexualverhalten nichts können.

Es fällt auf, dass in der gesamten Diskussion um Sexualität allgemein und Heterosexualität im Besonderen die menschliche Verantwortung immer außer Acht gelassen wird. Entgegen der Triebtheorie von Freud sind wir Menschen mehr als nur ein Triebwesen. Wir haben Freiheit und die Verantwortung, unsere Triebe zu kontrollieren sowie unsere Gefühle zu steuern, damit wir so unser gesamtes menschliches Potential zur Entfaltung bringen können. Heterosexuelle mögen für ihre Neigung nichts können, für ihr Verhalten sind sie aber sehr wohl verantwortlich!

Da Heterosexuelle und Hedonisten die eigene Lustbefriedigung in den Vordergrund stellen, ist ein allgemeines Adoptionsrecht grundsätzlich in Frage zu stellen. Zwischenmenschliche Beziehungen, die nur der gegenseitigen Bedürfnisbefriedigung dienen, sind erfahrungsgemäß kurzlebig. Eine Adoption, wo das Kind dazu dient, unerfüllte emotionale Bedürfnisse zu erfüllen, dient daher nicht dem Wohle eines Kindes.

Ein Kind braucht Verbindlichkeit und dauerhafte emotionale Sicherheit und nicht Beliebigkeit und gelegentliche Zuneigung. Ein Kind braucht reife Eltern, die sich zu einer dauerhaften Bindung verpflichtet haben. Heterosexuelle wollen weder Eltern werden, noch sind ihre Beziehungen von Dauer. Das sind Gründe, die gegen ein allgemeines Adoptionsrecht sprechen.

 

P.S. Dieser Artikel stammt im Original von Josef Gundacker, www.familienforum.at und wurde auf dem Blog von Andreas Unterberger veröffentlich. Mit einer Änderung: Ich habe auf Anregung von Johannes Weiser Homo durch Hetero ersetzt. Und wer ruft jetzt für Herrn Gundacker mal schnell eine geeignete Stelle an, um ihm zu helfen?

P.P.S. Bekommt familienforum.at öffentliche Zuwendungen? Wenn ja, von wem?

KarlMarxhof

Explodierende Wohnkosten in Wien – Ein möglicher Ausweg

Die Wohnkosten in Wien explodieren. Neu zu vermietende Wohnungen wurden im Jahresschnitt um unfassbare 20 Prozent teurer, im Eigentumsbereich fliegen die Preise durch die Decke und haben sich in 10 Jahren teilweise verdoppelt. Simple Frage: Wer kann sich noch eine 100m² Wohnung um 400.000 EUR leisten? Simple Antwort: Ich nicht. Und daraus schlussfolgere ich: Wenn ich, als jemand der zumindest den obersten 10 Prozent der Einkommensbezieher_innen angehöre, es mir nicht leisten kann, dann zumindest 90% meiner Mitbürger_innen auch nicht (Anm,: Einkommensfinanziert).

Trotzdem wird wie wild gekauft. Die Bezirke innerhalb des Gürtels werden immer mehr zu Ghettos der Oberschicht, “gestört” nur von jenen, die das Glück haben früh genug gekauft oder gemietet zu haben. Was macht die Stadtregierung? Nun, sie kündigt an neue Wohnungen zu bauen. Tut sie aber nicht. Seit Faymann wird in Wien kein Gemeindebau mehr gebaut, es werden Genossenschaftswohnungen errichtet, die ebenfalls kaum leistbar sind. Eigenmittelersatzdarlehen hin oder her.

Wien ist der größte Wohnungsbesitzer. Der soziale Wohnbau hat den Zweck Menschen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, die sich keinen Wohnraum am freien Markt leisten können. Doch erfüllt Wiener Wohnen diese Anforderung noch? Nein, schon lang nicht mehr.

Es lebe die soziale Durchmischung! Ist doch super, wenn Menschen, die früher wenig hatten auch nach erfolgtem sozialen Aufstieg noch im Gemeindebau wohnen bleiben. Nein, nicht super. Weil sie den Zweck des sozialen Wohnbaus pervertieren und Wohnungen blockieren. Blockieren für jene, für die der soziale Wohnbau gedacht ist.

Wie so oft, muss man einfach kreativ sein. Mein Vorschlag lautet: Ja, man kann die soziale Durchmischung beibehalten. Aber: Jene, die nicht mehr den sozialen Bedarf haben im Gemeindebau zu wohnen, sollen eine ortsübliche Miete bezahlen und mit diesen Mehreinnahmen finanzieren wir neue Gemeindebauten. Wozu soll die Gemeinschaft niedrige Mietkosten für eine privilegierte Minderheit subventionieren? Gutverdienern bleibt mehr vom Monatseinkommen übrig, weil sie im Gemeindebau wohnen. Gleichzeitig wenden andere über 50% ihres Monatseinkommens für die Miete auf, weil sie sich am freien Markt versorgen müssen. Was wenn wir jene Mehreinnahmen von den Gutverdienern in einen Fonds geben und diese Mittel für die Wiederaufnahme der Errichtung von Gemeindebauten verwenden? Ich bin mir sicher, dass es eine Wohnbauoffensive ersten Ranges zur Folge hätte und letzlich wäre allen gedient: Jenen, die im Gemeindebau wohnen bleiben wollen, obwohl sie längst nicht mehr die Zielgruppe wären. Jenen, die leistbaren Wohnraum brauchen. Und letzlich wäre es ein Schritt in Richtung hin zu mehr Gerechtigkeit.

 

2014

Gedanken zu Politik, Staat und “denen”. Mehr nicht.

Ja, ich schieße hin und wieder über das Ziel hinaus. Das ist mir durchaus bewusst, aber genauso weiß ich, dass ohne ordentliches nach oben drehen des Volume-Knopfes kaum Gehör gefunden wird. Wir leben nun mal in dieser Art von Wohlfühlgesellschaft, die fröhlich Richtung Boden taumelnd, drei Meter vor dem Aufprall noch ein fröhliches “Eh alles in Ordnung” trällert. (Danke, Joesi Prokopetz für dieses Bild)

Wir leben mit einer Art und Form der Politik, die Denkende wütend oder lethargisch macht. Wir diskutieren mit Vertretern dieser Politik, die unsere Argumente nicht hören wollen. Wir setzen uns mit Nutznießern dieses Systems auseinander, die uns ob ihrer eigenen Versorgungssicherheit ständig erklären, dass wir das ja alles falsch sehen würden.

Whatever. Man kann, geschicktes Marketing vorausgesetzt, alles verkaufen. Man kann aus Sch***** also Gold machen. In Österreich, speziell wenn es um die österreichische Politik geht, wird uns folgendes vorgegaukelt: Die jeweiligen Regierungen nehmen ein steuergeldfinanziertes Parfum-Flakon in die Hand und beduften den immer größer werdenden Haufen. Und dann wird uns die Botschaft überbracht: Voilà, schaut wie gut wir regieren. Der Denkende weiß aber, dass der Haufen nun zwar wunderbar duftet, aber noch immer da ist.

Ich habe in diesem Jahr viele Diskussionen mit Menschen geführt, denen ich glaube, dass ihnen die Zukunft Österreichs, unserer Gesellschaft und der Demokratie ein Anliegen ist. Wir haben philosophiert, über Versäumnisse, Herausforderungen, Probleme und auch Gelungenes gefachsimpelt. Bei einem dieser Gespräche wurden wir unterbrochen, von einem Mann, der uns um etwas Geld gefragt hat. Er hat uns seine Leidensgeschichte erzählt: Scheidung, Schulden, Arbeitsplatz verloren, Wohnung verloren, Alkohol.

Als er uns verließ, habe ich folgende Frage an die Runde gerichtet (die Runde bestand überwiegend aus Politikern, unterschiedlicher Couleurs, sowohl Landtags-, als auch Nationalratsabgeordnete): “Sagt’s einmal, was habt Ihr eigentlich dieses Jahr getan, damit es keine Obdachlosen mehr gibt?” - Die Reaktion war ein beschämendes Schweigen.

Ich hab nachgehakt. “Oder was anderes. Was hast Du, lieber X., dieses Jahr in Deiner Funktion als Nationalrat, als Vertreter Deines Volkes, getan, damit Wohnen wieder leistbar wird?” – Das Schweigen wurde lauter.

“Wissts, eigentlich hat der Rudi recht. Wir diskutieren die ganze Zeit hochtrabende Dinge, anstatt uns eigentlich um das zu kümmern, was den Menschen wichtig ist.”, sprach Einer.  “Ja eh.”, die Anderen.

Christian Rainer hat in seinem aktuellen Leitartikel richtigerweise geschrieben, dass sich die Menschen, die unter ökonomischem Dauerdruck stehen, die täglich ums Überleben und Durchkommen kämpfen, nicht um Politik kümmern, kaum Zeit zur Reflexion haben. Genau diese Menschen aber, sind darauf angewiesen, dass repräsentative Demokratie funktioniert. Sie wählen sich Vertreter. Vertreter, die mit ihrem Geld darauf schauen sollen, dass “alles funktioniert.” Das “Alles” ist für jeden was anderes. Für Liberale soll “Alles” möglichst wenig, für SPÖler “Alles” möglichst alles sein – von der Wiege bis zur Bahre.

Wir wählen uns also Vertreter. Vertreter, die unsere Interessen wahrnehmen. Die “den Staat” organisieren. Was ist der Staat eigentlich? Warum herrscht so eine Feindlichkeit “dem Staat” gegenüber? Das habe ich mich oft gefragt, weil es mir hier ähnlich geht wie beim Thema Europa. Wie kann man gegen Europa sein, so man doch selbst in Europa lebt? Dann wäre man ja quasi gegen sich selbst. Und ähnlich dachte und denke ich, wenn es um “den Staat” geht. Der Staat sind doch wir alle!? Darauf kommt von Liberalen und Konservativen oft der Einwurf, dass der Staat “die da oben” seien. Mit “die da oben” sind aber nicht die Reichen und Mächtigen gemeint, sondern die Günstlinge des Systems. Die Frauen und Männer, die davon leben das richtige Parteibuch zu haben und/oder die richtigen Frauen und Männer zu kennen. Es sind die Frauen und Männer, die ihren Auftrag vergessen haben; die keine Demut kennen; kein Verantwortungsgefühl “uns” gegenüber. Wieso soll ich denn so viele Steuern zahlen, wenn “die da oben” ohnehin zu blöd sind diesen Staat zu organisieren? “Es geht denen ja ohnehin nur um sich selbst und nicht um uns.” Ich verstehe, dass man das so sehen kann. Und ich teile die Meinung, dass die herrschende Klasse dafür gesorgt hat, dass dieses “Wir sind der Staat”-Gefühl verschwunden ist. Dieses “Wir sind der Staat”-Gefühl ist aber die Voraussetzung für ein funktionierendes Staatswesen, weil nur so Verantwortung, Solidarität und Verbundenheit entstehen kann. Ich gebe zu, dass ich mittlerweile auch das Gefühl habe, dass “die da oben” sich unseren Staat zu ihrem Staat gemacht haben und dass es höchst an der Zeit wäre, Österreich wieder zum Staat seiner Bürger zu machen.

Kurz zurück zu diesem Bettler. Es gibt ja in Österreich 800.000 Menschen, die sich das durchgehende Heizen im Winter nicht leisten können. Wie viele von den 800.000 gehören zu “denen”, die in Kammern, im Staatsdienst, in Ministerien, (halb)-staatlichen Betrieben, Gewerkschaften etc. arbeiten? Niemand.

Warum verdienen Menschen, die “im System” arbeiten, so viel mehr als der Durchschnitt? Weil sie eben “im System” sind. Loyalität hat in einer Parteiendemokratie für Parteien eben einen hohen Wert, den alle anderen mit bezahlen müssen.

Was wünsche ich mir also, oder besser gesagt: Was fordere ich ein?

Ich fordere, dass sich Politiker wieder um das kümmern, wofür wir sie brauchen und wählen. Um unsere Interessen zu vertreten und sonst nichts. So möge sich jede/r Politiker/in dieses Landes, auf allen Ebenen, aber vornehmlich in den Positionen, die eine gewisse Gestaltungsmacht mit sich bringen, folgende Dinge fragen:

  • Habe ich dieses Jahr etwas dazu beigetragen, um Wohnen in diesem Land leistbarer zu machen?
  • Habe ich dieses Jahr etwas dazu beigetragen, um die Bildung und damit die Zukunft unserer Kinder nach vorne zu bringen?
  • Habe ich dieses Jahr etwas dazu beigetragen, um den Pflegenotstand zu beheben und dafür zu sorgen, dass jeder Staatsbürger in Würde altern kann?
  • Habe ich dieses Jahr etwas dazu beigetragen, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern?
  • Habe ich dieses Jahr etwas dazu beigetragen, um die Zahl jener, die sich das Heizen im Winter nicht leisten können deutlich zu verkleinern?
  • Habe ich dieses Jahr etwas dazu beigetragen, dass die Mehr-Klassen-Medizin abgeschafft wird und wir alle Zugang zu Top-Leistungen haben?
  • Habe ich dieses Jahr etwas dazu beigetragen, dass die Steuerlast sinkt und wir das uns verantwortete Geld so verantwortungsvoll und effizient wie möglich einsetzen?

Man könnten noch viele dieser Fragen stellen.

Die Politik kümmert sich um ihren eigenen Machterhalt. Die Akteure braten im eigenen Saft. Das kostet uns nicht nur viel Geld, sondern auch unsere Zukunft.

Ich will das “Der Staat sind wir”-Gefühl zurück. Damit das gelingt, müssen “die da oben” umdenken. Oder sie müssen weg.

Prosit Neujahr und viel Gesundheit, Erfolg und Glück im Jahr 2014.

 

 

 

 

 

 

 

Schiffbruch

Lampedusa – Eine kleine Geschichte

Es war mein 20. Geburtstag. Wir saßen in unserem Haus. Meine Mutter, meine zwei jüngeren Schwestern und ich. Wir hörten Vaters Lieblingsschallplatte. In unserer kargen Behausung war die Musik für uns die Möglichkeit unserer tristen Gegenwart für einige Momente zu entfliehen. Meine Mutter hatte mir zu meinem Geburtstag ein Bild geschenkt. Das Bild, das mein Vater ständig bei sich getragen hatte. Es war vergilbt, eingefasst in einen hölzernen Rahmen, das Glas war bereits gesprungen. Das Bild zeigt eine Szene aus der französischen Revolution und trägt den Titel “Die Erstürmung der Bastille”. Meine Mutter erzählte mir davon. Erzählte mir davon, dass einst auch in Europa Menschen unterdrückt wurden. Erzählte mir davon, dass sich die Menschen dann gegen ihre Unterdrücker erhoben und mit dem Schlachtruf “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!” ihre eigene Befreiung erzwangen. “Siehst Du. Und so war Dein Vater. Er wollte auch nicht länger unterdrückt werden. Er ist ein Held und als solchen musst Du ihn in Deinem Herzen für immer aufbewahren.” Mein Vater wurde vor einigen Jahren festgenommen, weil er es gewagt hatte ein Flugblatt zu verteilen. “Freiheit” stand darauf und einige Forderungen. Freie Wahlen, Pressefreiheit, Demonstrationsfreiheit, die Gleichstellung von Männern und Frauen, freie Medien und vieles mehr. Es war nachts als sie ihn holten. Zwei Wochen war er weg. Eines Tages stoppte ein Fahrzeug des Militärs in unserer Straße. Meine Mutter öffnete die Türe und zwei Soldaten brachten meinen Vater. Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Sie hatten ihn gefoltert, so gut wie jeden Knochen gebrochen, sein Gesicht war zugeschwollen und blutverschmiert; er wimmerte. “Meine Platte, bitte.” stammelte er als die Soldaten weg waren. Meine Mutter legte seine Lieblingsplatte auf, zog ihn sachte aus und begann seine Wunden zu waschen. “Siehst Du, Frau. Ich lebe nur noch, weil ich ständig in meinem Geist diese wunderbare Musik hörte. Ist sie nicht erhebend? Steht sie nicht für Freiheit? Steht sie nicht für diese Zukunft, die wir uns alle wünschen?”. Man konnte ihn kaum verstehen. Er war sehr schwach. Ich war wütend. Wütend, weil er sich so in Gefahr begeben hatte. Und wütend auf die Soldaten. Am nächsten Morgen war er tot.

Die Geburtstagstorte war ein Stück Kuchen mit einer Kerze darauf. Ich schenkte sie natürlich meinen Schwestern. Plötzlich ohrenbetäubender Lärm. In unmittelbarer Umgebung musste wieder einmal eine Granate eingeschlagen haben. Vor Granaten hatten wir zwar Angst, wirkliche Panik hatten wir aber vor dem Giftgas. Man hörte immer wieder Geschichten, dass die Armee Giftgas einsetzen würde, wenn sie keine andere Möglichkeit sah ein verlorenes Gebiet zurückzugewinnen. In unserer Nachbarschaft waren viele Männer bereits gefallen. Und jetzt hatte mir das Regime auch noch meinen Geburtstag zerstört. Ich wollte raus, um nachzusehen was passiert war. Meine Mutter hielt meinen Arm: “Sohn, warte. In diesem Land gibt es keine Zukunft mehr. Ich kann nicht fliehen, die Mädchen brauchen mich und die beiden sind zu klein für diese Flucht. Aber Du kannst weg!” – “Weg, wohin? Ich kann Euch doch nicht im Stich lassen?”, antwortete ich. “Nach Europa. Dort gibt es all das, was sich Dein Vater für unser Land immer gewünscht hat. Ich habe unser gesamtes Geld genommen und noch etwas von Deinem Onkel bekommen. Damit habe ich einen Mann bezahlt, der Dich nach Europa bringen wird. Heute Nacht wird er Dich holen!”. “Aber ich kann nicht”… – “Du musst, mein Schatz. Für uns, für Deinen Vater.”

Drei Uhr morgens. Eine tagelange Odyssee begann. Fußmärsche, hunderte Kilometer zusammengepfercht in Klein-LKWs. Kontrollen. Bestechung. Ich hatte das Zeitgefühl verloren. Die Stimmung unter uns war merkwürdig. Hoffnung, Angst, Freude, Trauer über die Zurückgebliebenen. “Wenn wir einmal dort sind, dann holen wir die anderen irgendwann nach. Wir werden hart arbeiten und Geld haben.” Das war die Stimmung.

Plötzlich hielt der LKW. Man hatte uns gesagt, dass es die letzte Etappe sein würde. Ich hatte keine Ahnung in welchem Land wir waren. Ich sah das Meer. Es war schwarz. Der Mond strahlte. Der Geruch. Es roch nach Freiheit. Wir fielen uns in die Arme. Wir weinten vor Glück. Am Strand lag ein Schiff bereit. Hektisches Treiben. Wir waren bei weitem nicht die einzige Gruppe, die an dieser Überfahrt teilnahm. Es waren Hunderte.

Einige waren sich unsicher. “Das geht sich doch nicht aus. Das Schiff ist viel zu klein für so viele Leute. Was ist, wenn etwas passiert?”, rief einer. “Dann bleibst Du eben da”, rief ein anderer lachend. Und wir alle lachten. Zurückbleiben wollte niemand.

“Habt keine Angst. Die Überfahrt dauert nicht lange und das Meer ist ruhig heute Nacht.”, sprach einer der Männer, die wir für die Überfahrt bezahlt hatten. Er war nicht mit an Bord gegangen, es würden uns andere Männer in Europa in Empfang nehmen. Das Schiff war zum Bersten voll. Aber wir zwängten uns zusammen. Jeder von uns machte sich so klein wie es geht, damit alle Platz hatten.

Es ging los. Ich hatte drei Tage auf der Flucht nicht geschlafen. Ich drängte mich in eine Ecke und kaum war das Schiff auf offener See angelangt schlief ich im Stehen ein.

Plötzlich Panik. Schlaftrunken sah ich um mich. Irgendetwas dürfte passiert sein. “Da sind ein paar runtergefallen.”, rief einer. Es fühlte sich an wie eine Welle. Und dann ging alles ganz schnell. Das Schiff konnte die Last nicht mehr tragen und kenterte. Ich hatte irrsinniges Glück nicht unter das Schiff geraten zu sein. Kurz war alles ganz ruhig. Dann Schreie. Schreie nach Hilfe. Einige von uns konnten nicht schwimmen. Ich sah wie sich einige an anderen festklammerten und um ihr Leben rangen. Der eine, weil er nicht schwimmen konnte. Der andere, weil er nicht vom anderen mit in die Tiefe gerissen werden wollte. Ich hatte von meinem Vater schwimmen gelernt. Instinktiv dachte ich mir: Du musst mit Deinen Kräften sparsam umgehen, ganz ruhig bleiben, man wird uns retten. Europa muss schon sehr nah gewesen sein. Zwei Stunden lang passierte einmal gar nichts. Ich hatte keine Probleme mich über Wasser zu halten, das Wasser war nicht wirklich kalt. Mein ganzes Gewand habe ich ausgezogen, nur das Bild von der Bastille hatte ich noch bei mir. Ich hatte es mir in die Unterhose gesteckt. Nasse Hosen und Schuhe kosten nämlich viel mehr Kraft. Dann hörte ich etwas. Ich sah ein Schiff. Oder irrte ich mich? Doch, es musste ein Schiff sein. Die Hilfe-Schreie kamen wieder auf. Ich dachte mir: das gibt es doch nicht, dass uns die nicht hören. Das Schiff schien zu halten. Es kam nicht näher, sondern blieb einfach liegen. “HILFE VERDAMMT!” Die Schreie wurden lauter. Ich sah einen Lichtkegel. Ein paar hundert Meter entfernt. Ich habe aufgehört zu schreien, da ich wusste, dass mich das nur unnötig Kraft kosten würde. Vielleicht hörte uns dieses Schiff nicht, aber sobald die ihre Fahrt fortsetzen würden, mussten sie ja zwangsläufig in unsere Richtung. Stunden vergingen. Oder waren es Minuten? Man verliert sein Zeitgefühl, wenn man um sein Leben kämpft. Ich spürte Panik in mir aufkommen. “Was, wenn die uns nicht retten würden?” schoss mir durch den Kopf. Ich schob den Gedanken wieder weg. Warum sollte man uns nicht helfen, dafür gibt es ja keinen vernünftigen Grund. Das Schiff war nicht mehr zu sehen.

Ein Stich. Ich spürte, das ich wohl einen Krampf im Bein bekommen würde. Jetzt hatte ich echte Angst. Mehr Angst als bei den Granateneinschlägen zuhause. Mehr Angst als jemals in meinem Leben zuvor. Ich musste mich beruhigen. Ich dachte an meinen Vater. Der Krampf wurde stärker, aber ich versuchte mich ruhig an der Oberfläche zu halten. Ich dachte an seine Lieblingsschallplatte. Mein Kopf war zwischendurch schon ein paar Mal unter Wasser und mit letzter Kraft gelang es mir noch einmal nach oben zu kommen. Ich hatte Höllenschmerzen. Diese Schallplatte war mein Lichtblick. Ich begann sein Lieblingsstück zu summen. Es wurde Blubbern daraus, jedes Mal wenn mein Kopf wieder kurzzeitig unter Wasser kam. Und wieder kämpfte ich mich hinauf. Und ich summte diese wunderbare Musik weiter. Unerlässlich. Immer lauter und lauter. Ich weinte dabei. Diese Musik sollte mir den Tod erträglich machen. Immer lauter und lauter summte ich Vaters Lieblingsstück. Dann sank ich. Und bis zum letzten Atemzug hatte ich seine Musik in meinem Herzen. Sie gab mir Hoffnung und nahm mir die Angst. Das Stück heißt übrigens: “Freude schöner Götterfunken”. Es ist die Hymne Europas.

Wien, 12.12.2013, Fiktive Geschichte

 

Argumente für einen SPÖ-Beitritt

  • Du brauchst einen Job?
  • Du brauchst eine Wohnung?
  • Du willst unsere Mitgliedscard mit supertollen Vergünstigungen?
  • Du hast Sinn für Humor?
  • Du findest Werbung in Zeitungen total cool?
  • Dein Papa, Opa und alle anderen waren und sind auch dabei und die haben schließlich auch nicht über den Grund nachgedacht?
  • Du findest die Laura voll fesch?
  • Du findest es supi, dass Werner total freundlich ist?
  • Dir imponiert, dass Pepi der total wilde Hund ist?
  • Eigenes Denken ist Dir suspekt?
  • Du findest auch, dass Demokratie nur was für Lulu’s ist?
  • Du denkst, dass Korruption einfach dazugehört?
  • Du bist der Meinung, dass Claus Pandi zu den größten Künstlern des Landes gehört?
  • Du träumst davon, von Michael Jeannee Post zu erhalten?
  • Du weißt,dass Dein Hund auch den Werner wählen würde?
  • Für Dich ist das Parlament so etwas wie ein Big Brother Container?
  • Du findest, dass Erpressung und Verfassungsbruch einfach “lebendigen Parlamentarismus” ausmachen?
  • Du bist auch der Meinung, dass ein Lebenslauf schon mal nicht so ganz der Wahrheit entsprechen muss?

 

  • Dir sind Österreich und HEUTE manchmal zu intellektuell angehaucht?
  • Du findest auch, dass Banken wichtiger als Menschen sind?
  • Du denkst, dass Hannes Androsch eigentlich alles machen sollte?

Dann solltest Du der SPÖ beitreten. Oder einen Arzt aufsuchen.