Rudi12

Die Wahlkampfkostenlüge und wie Medien darauf reinfallen

Gestern also  meldeten die Kandidaten die eingegangenen Spenden. Auf den ersten Blick kann man schon mal sagen: There is something rotten in the state of Austria.

Van der Bellen soll, so suggerieren die Zahlen, von allen Kandidaten am meisten ausgegeben haben. Weit mehr etwa als FPÖ oder SPÖ.

Die APA stellte den Medien folgende Grafik zur Verfügung

BPWAHL_SpendenUnd in der zugehörigen Meldung im Online-Standard  findet sich ein spannender Satz

BPWAHL_Taschen

Nun, das ist Bullshit. Der Parteienforscher Hubert Sickinger meint: “Ausgeschlossen”. Die Grafik zeigt nämlich nur eines: Die Zahl der von den Kandidaten / Parteien bis dato gemeldeten Spenden bzw. Sachleistungen. Wenn eine Partei z.B. morgen eine Rechnung für eine Plakatwelle bezahlen würde oder verrechnet bekäme oder erst in einem Monat, es würde nicht aufscheinen.

Medien übernehmen also etwas und suggerieren, dass der Wahlkampf von van der Bellen der teuerste aller Kandidaten sei. Niemand prüft offenbar die Plausibilität dieser Zahlen.

Dabei wäre es ganz, ganz, ganz, ganz, ganz einfach.

Wir machen einfach nur ein paar Dinge, die jede/r tun kann.

1. Inserate

Die Kandidaten inserieren fleissigst. Ich habe mir nur mal die Mühe gemacht alle Inserate in den drei Boulevardmedien zu zählen. Und zwar vom 27.3. bis einschließlich 17. April. Kann sein, dass ich nicht alles gesehen habe, aber ich denke, dass es so ziemlich richtig ist.

Noch einmal: Das sind nur die Zahlen von Krone, Heute, Österreich. Nicht berücksichtigt sind alle Bundesländerzeitungen, Wochenzeitungen etc.

Partei Datum Medium Format Seite
SPÖ 29.03.2016 HEUTE 1 Seite 15
SPÖ 29.03.2016 KRONE 1/2 Seite 3
SPÖ 30.03.2016 HEUTE 1/2 Seite 11
SPÖ 31.03.2016 HEUTE 1/2 Seite 11
SPÖ 31.03.2016 Österreich 1/2 Seite 5
SPÖ 01.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 10
SPÖ 01.04.2016 Österreich 1/2 Seite 5
SPÖ 02.04.2016 KRONE 1/4 Seite 5
SPÖ 02.04.2016 Österreich 1/2 Seite 7
SPÖ 04.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 11
SPÖ 04.04.2016 Österreich 1/2 Seite 5
SPÖ 05.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 17
SPÖ 05.04.2016 Österreich 1/4 Seite 3
SPÖ 06.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 23
SPÖ 06.04.2016 Österreich 1/4 Seite 3
SPÖ 07.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 11
SPÖ 07.04.2016 Österreich 1/4 Seite 3
SPÖ 08.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 19
SPÖ 08.04.2016 KRONE 1/4 Seite 7
SPÖ 08.04.2016 Österreich 1/2 Seite 5
SPÖ 09.04.2016 Österreich 1/3 Seite 3
SPÖ 10.04.2016 KRONE 1/2 Seite (“Nackerte”) 13
SPÖ 10.04.2016 Österreich 1/1 Seite 5
SPÖ 11.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 6
SPÖ 12.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 7
SPÖ 13.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 17
SPÖ 14.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 24
SPÖ 15.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 12
SPÖ 15.04.2016 KRONE 1/4 Seite 3
SPÖ 16.04.2016 KRONE 1/4 Seite 5
SPÖ 17.04.2016 KRONE 1/2 Seite (“Nackerte”) 13
ÖVP 08.04.2016 HEUTE 1/4 Seite 13
ÖVP 10.04.2016 KRONE 1/4 Seite 5
ÖVP 17.04.2016 KRONE 1/4 Seite 5
OVP 13.04.2016 HEUTE 1/8 Seite 20
FPÖ 27.03.2016 KRONE 1/3 Seite 11
FPÖ 29.03.2016 HEUTE 1/2 Seite 11
FPÖ 01.04.2016 KRONE 1/3 Seite 13
FPÖ 02.04.2016 KRONE 1/3 Seite (“Nackerte”) 11
FPÖ 03.04.2016 KRONE 1/3 Seite 25
FPÖ 04.04.2016 Österreich 1/3 Seite 8
FPÖ 05.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 9
FPÖ 05.04.2016 Österreich 1/3 Seite 9
FPÖ 06.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 17
FPÖ 06.04.2016 Österreich 1/3 Seite 7
FPÖ 07.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 19
FPÖ 07.04.2016 Österreich 1/3 Seite 7
FPÖ 08.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 9
FPÖ 08.04.2016 KRONE 1/3 Seite 21
FPÖ 08.04.2016 Österreich 1/3 Seite 7
FPÖ 09.04.2016 KRONE 1/3 Seite 17
FPÖ 10.04.2016 KRONE 1/3 Seite 25
FPÖ 11.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 11
FPÖ 12.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 13
FPÖ 13.04.2016 HEUTE 1/2 Seite 9
FPÖ 14.04.2016 HEUTE 1/3 Seite 9
FPÖ 15.04.2016 HEUTE 1/3 Seite 17
FPÖ 15.04.2016 KRONE 1/3 Seite 17
FPÖ 16.04.2016 KRONE 1/3 Seite 15
FPÖ 17.04.2016 KRONE 1/3 Seite 29
FPÖ 17.04.2016 KRONE 1/4 Seite 20
Van der Bellen bis einschließlich 18. April kein Inserat

 

Inseratenkaiser Hundstorfer: 31 Inserate hat das Team Hundstorfer geschaltet, 21 mal 1/2 Seite, 7 mal 1/4 Seite, 1 mal 1/3 Seite und 2 mal gar eine ganze Seite. Ergibt: rund 15 Seiten Inserate im Boulevard. Das kostet rund 400.000  bis 500.000 EUR.

Die FPÖ hat immerhin 17 mal 1/3-Seite geschaltet, 8 halbe Seiten und eine Viertelseite. Ergibt knapp 10 Seiten.

Das Rennen um die Platzierung neben der Nackerten auf Seite 5 hat übrigens Team Hundstorfer gegen Team Hofer mit 2:1 für sich entscheiden können.

Die ÖVP hat nicht einmal eine Seite inseriert, lediglich 3 mal 1/4 Seite und einmal 1/8 Seite.

Die Grünen haben KEIN EINZIGES Inserat im Boulevard geschaltet. Zero. Niente. Nix.

 

2. Plakate

Bei Plakaten ist es ebenso einfach. Wer hängt die meisten Plakate auf? Wieviel hängt jemand im Vergleich zu jemand anderem auf.

Also: Meiner Wahrnehmung nach hängt Hofer fast am Häufigsten. Er hat sich auch nicht ans Fairnessabkommen gehalten, die anderen Parteien hängen die Plakate nur für 4 Wochen auf, Hofer startete früher.

In Wien sind Hundstorfer und Khol präsenter als van der Bellen. In Wien darf man 1.100 Ständer je KandidatIn aufstellen, die Grünen haben laut eigenen Angaben nur 700 aufgestellt. Zur Einordnung: 1.000 Dreieckständer kosten rund 200.000 EUR für 6 Wochen.

Die Grünen haben in einer OTS bekannt gegeben, dass sie 2.000 16-Bogen-Plakatflächen und 13.000 A0-Plakatflächen 4 Wochen lang bespielen. Bei den mobilen Ständern zählt ein Ständer für zwei Plakatflächen. Die Grünen stellen also 150 mobile Ständer auf und buchen 1700 fixe Plakatflächen. Auch die 13.000 Dreiecksflächen muss man durch drei dividieren: Für vdb stehen also gute 4330 Dreieckständer.

Viele Parteien verfügen (vor allem Landes-, Bezirks- und Ortsorganisationen) über eigene Dreieckständer. Aber rechnen wir mal die normalen Kosten und berücksichtigen einen gewissen Faktor an eigenen Ständern: Die fixen Plakatflächen, die die Grünen gebucht haben schlagen mit Sicherheit mit 500.000 EUR zu Buche, dazu kommen noch die Dreieckständer um wohlfeile 800.000 EUR (hier kann man dann beliebig viel abziehen, je nachdem, wie viele man selbst hat und nicht zukaufen muss).

Also: Unter 1 Mio EUR können die Grünen diesen Plakatwahlkampf nicht betreiben, sie stellen aber weit weniger Flächen auf als FPÖ oder SPÖ.

Die angegebenen Kosten/Spenden der SPÖ haben wir somit alleine mit deren Plakatflächen und Inseraten im Boulevard schon fast erreicht.

3. Radio, TV, Give aways, Veranstaltungen und so vieles mehr

Nicht berechnet haben wir Radio, TV, Online Werbung, Give aways und Veranstaltungen.

So ein Wahlkampfauftakt wie jener von Rudolf Hundstorfer oder der Empfang von Erwin Pröll für Andreas Khol kostet. Gut 70-100.000 EUR. Und die Tour der Kandidaten kostet mit den ganzen Auftritten, Tourbus etc. auch was. Glaubt man der SPÖ kostet ihr das alles aber fast nix.

Es ist also ganz leicht nachzuvollziehen, dass die Aussage, wonach Grüne tiefer in die Kassa greifen würden als die SPÖ völliger Schwachsinn ist. Die SPÖ und ihre Methoden kennend ist es Spin, man will halt zeigen, dass man eh sparsam arbeiten würde. Das Gute ist: Wir werden zwei Wochen nach der Wahl die tatsächlichen Kosten kennen und ich werde recht behalten. Leider.

So viel also zur Transparenz.

Lustiges Detail am Rande: Rudolf Hundstorfer ist ja seit 26.1. bei seinem Verein angestellt und bezieht wohlfeile 13.090 EUR brutto pro Monat. Er selbst spricht davon, dass er sich erst am 22.5. (Tag der Stichwahl) Gedanken um seine Zukunft machen werde. In der Zeit wird er dem Verein 60.349,71 EUR gekostet haben, dies entspricht 3,71% der gemeldeten Kosten des Wahlkampfs. Auch nicht schlecht.

Wieder einmal wird eine Wahlkampfkostenlüge aufgetischt und wieder einmal fallen die Medien darauf rein. I am sick of it.

 

Krone1

Die Kampagnen der Krone im Wandel der Zeit – Eine Analyse

“Ich muss dort inserieren, sonst schreiben die mich runter.” Diesen Satz hört man von fast jedem Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, wenn es um die Frage geht, ob man in Boulevardmedien inserieren solle. Es geht den meisten nicht darum, dass sie sich Vorteile von Inseraten erwarten würden, sondern es ist die pure Angst einer Kampagne, die Unwillige zum Inserieren zwingen soll.

Die große Ausnahme sind die SPÖ und die Stadt Wien, die sich tatsächlich etwas erwarten, positive Berichterstattung nämlich, und die wird in der Regel von den Boulevardmedien auch geliefert.

Die wirklich spannende Frage für mich lautet ja: Haben Boulevardmedien wirklich so viel Einfluss? Können sie ihre LeserInnen wirklich in eine bestimmte Richtung drängen, wenn sie eine Kampagne fahren? Ich behaupte: Nein, das haben sie nicht (mehr).

Die Kronen Zeitung war einmal eine Macht. Wenn die Kronen Zeitung eine Kampagne gefahren hat, dann hat diese ihre Wirkung nicht verfehlt.

Eine Debatte um den Sternwartepark hatte im Jahr 1973 zur ersten Wiener Volksbefragung geführt. Eine Bürgerinitiative hatte sich gegen die Verbauung des Parks ausgesprochen und die Unterstützung der „Kronen Zeitung“ erhalten. Bürgermeister Felix Slavik (SPÖ) war für die Verbauung und setzte eine Volksbefragung an. 57,4 Prozent der Wahlberechtigten waren gegen die Verbauung, kurz nach der Volksbefragung trat Bürgermeister Slavik zurück.

Bei Zwentendorf gab es seine Serie, die sehr neutral gehalten war,  es gab keine Festlegung der Krone auf eine klare Linie. Erst nach dem Nein wurde die Krone das Zentralorgan der Anti-Atomkraftbewegung.

Die Kampagne Hainburg (1984) war ein echter Triumph für Hans Dichand, es folgten Kampagnen pro Waldheim (1986) und für den EU-Beitritt (1994).

Doch bereits Ende der 80er-Jahre musste die Kronen Zeitung erste Niederlagen einstecken. Der damalige Verkehrsminister Rudolf Streicher (SPÖ) wollte die alten schwarzen Nummerntaferl durch weiße Nummerntaferl (KFZ-Kennzeichen) ersetzen. Die Kronen Zeitung lief gemeinsam mit dem Künstler Friedensreich Hundertwasser dagegen Sturm – und verlor.

Im Jahr 2000 wollte die Kronen Zeitung mit aller Macht die Bildung einer schwarz-blauen Regierung verhindern – und scheiterte erneut. Eine schwere Niederlage für Hans Dichand.

Wolfgang Schüssel hat sich als Kanzler mit der Krone angelegt, und zur Überraschung vieler MedienbeobachterInnen hat es ihm nicht geschadet. Ein weiteres Indiz für die schwindende Macht der Kronen Zeitung.

Bei der Frage Wehrpflicht vs. Berufsheer stand die Kronen Zeitung klar auf der Seite der SPÖ, die eine Abschaffung der Wehrpflicht forderte, obwohl der damalige Verteidigungsminister Darabos diese noch in Stein gemeisselt sah. SPÖ und Kronen Zeitung marschierten Hand in Hand, und die Krone musste eine schwere Niederlage einstecken.

In Wien kam es dann zum Showdown der Kronen Zeitung mit Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne): Die Kronen Zeitung schrieb monatelang gegen die Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße (Mahü neu) an, die BürgerInnen entschieden sich in einer Abstimmung aber für die Umgestaltung. Vassilakou triumphierte, die Krone war erneut blamiert.

Aktuell fährt die Kronen Zeitung eine massive Kampagne gegen den grünen Präsidentschaftskandidaten (das mit dem “unabhängig” schenk ich mir) Alexander van der Bellen.

Die Redakteure Peter Gnam, Claus Pandi und Richard Schmitt arbeiten sich im Tagestakt an van der Bellen ab. Teilweise mit in der Tat absurden Geschichten. Der SPÖ-Spin wird fast täglich ins Blatt gehoben, der Höhepunkt bislang war eine IMAS-Umfrage, die Rudolf Hundstorfer, den Kandidaten der SPÖ, auf Platz 1 auswies. Ganz Österreich schüttelte den Kopf, die Kronen Zeitung musste zurückziehen, denn alle anderen Umfragen weisen van der Bellen seit Monaten als klare Nummer 1 aus und Hundstorfer liegt ungefähr 10 Prozentpunkte hinter ihm.

Erst versuchte man, van der Bellen mit dem Asylthema zu schaden. “Grüne toben wegen Grenzschließung”. Dann benutzte man eine Aussage des EU-Parlamentariers Reimon, um van der Bellen zu schaden.  Die Artikel triefen nur so vor Fehlern und Halbwahrheiten. Das Zitieren erspare ich an dieser Stelle, die Screenshots kann man, so man will, unten durchstöbern.

Am 24.4. wird der erste Wahlgang zeigen, ob Pandi, Schmitt, Gnam und Co. noch so mächtig sind, wie sie glauben, oder ob sie in Wahrheit nichts anderes sind als normale Journalisten, die halt hin und wieder etwas schreiben, um Mächtigen oder Inserenten in diesem Land zu gefallen.

Ich wage die Prognose, dass die Kronen Zeitung (und ihre Methoden) am 24.4. eine weitere Niederlage erleiden wird.

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