Amoklauf

Wien: Drei Telekom-Manager bei Amoklauf getötet

Heute wurden bei einem Amoklauf in Wien-Leopoldstadt drei Telekom-Manager erschossen. Die Polizei konnte den Amokläufer festnehmen. Der Täter war geistig verwirrt und stammelte irgendetwas von „Das persönliche Gespräch“ sei ihm sehr wichtig.

So eine Meldung wäre in Österreich wohl etwas besonderes. In den USA sind Amokläufe so normal wie das Frühstück oder ein Kinobesuch. Und immer wieder diskutiert man, wie so etwas passieren kann. Was kann einen Menschen dazu bringen eine Waffe in die Hand zu nehmen und drauf los zu ballern? Für uns unvorstellbar.

Nun, seit heute habe ich eine gewisse Vorstellung davon, welche Gefühle in jemandem hochkommen müssen, um zu so einer Wahnsinnstat fähig zu sein. Vorweg: Nein, ich würde es nicht machen, weil mir die Folgen mit Gefängnis und so zu unangenehm wären. Aber das Gefühl hatte ich heute.

Und dieses Gefühl kann jeder von Euch haben! Ich habe die ultimative Methode gefunden, um in Amoklauf-Stimmung zu kommen.

Man muss nur die 0800 664 100 wählen. Das ist die Service-Hotline der Telekom Austria. Eine Service-Hotline dient dazu, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen und diese zu servicieren, ihre Fragen zu beantworten, Anliegen zu bearbeiten und so einen Beitrag zur Kundenzufriedenheit zur leisten. Man will als Konzern ja ein gutes Image und zufriedene Kunden. Früher hat man dafür erstklassige Stimmungsmacher wie einen burgenländischen Grafen oder auch ganze Parteien angemietet.

Ich habe ein Update auf meinem Router gemacht, weil die Telekom Austria das so empfiehlt. Gesagt, getan. Ich bin ja ein braver Kunde. Das Problem: Die Zugangsdaten (sprich: Benutzername und Kennwort) wurden dabei gelöscht und ich hab den Ordner mit meinen Unterlagen in Wien. Also rufe ich an, um diese zu erfragen, mein Kundenkennwort hatte ich ja noch im Kopf, was nicht schwer ist, weil ich ja zu den Menschen gehöre, die ohnehin überall dasselbe Passwort verwenden.

Ich rufe also diese wunderbare Serviceeinrichtung an, es ist kurz vor halb 11 an einem wunderbaren Wintertag. Endlich schneit es draußen, der Ofen spendet wohlige Wärme.

Eine freundliche Frauen-Stimme aus der Dose mit seichter Musikuntermalung empfängt mich: „Das persönliche Gespräch ist uns wichtig. Und dafür nehmen wir uns ausführlich Zeit. Das kann manchmal etwas länger dauern, aber gleich sind Sie an der Reihe.“

Ich fühle mich als Kunde der Telekom Austria großartig. Man nimmt sich also ausführlich Zeit für mich. Und das persönliche Gespräch ist meinem Lieferanten auch wichtig. Und noch besser: Es wird nicht lange dauern, denn ich bin ja GLEICH an der Reihe.

Die ersten zehn Minuten vergehen wie im Flug, das Gespräch mit der Dame vom Band ist eher einseitig, ich sage nichts und sie sagt halt ihr Sprücherl.

Bei Minute 20 denke ich mir, na bumm, 20 Minuten, das ist schon lang. Aber die werden halt nach den Feiertagen auch viele Krankenstände haben. Aber eigentlich müsste das ein Unternehmen, dem Kundenzufriedenheit wichtig ist das eigentlich managen können.

Bei Minute 25 fällt mir ein, dass ich im Kurier gelesen habe, dass der südamerikanische Boss der Telekom Austria Probleme kriegte, weil er bei der Weihnachtsfeier einen ziemlich tiefen, frauenfeindlichen Witz erzählt hat. Vielleicht verweigern viele Telefonistinnen als Ausdruck ihres feministischen Protests die Arbeit? Hihi, wohl eher nicht.

Meine neue Freundin geht mir übrigens mittlerweile auf die Nerven. Jedesmal wenn ihr nettes Sprücherl kommt, überlege ich mein Schnurlostelefon an die Wand zu werfen.

Bei Minute 30 beginne ich eine Diskussion mit meiner Mutter. Wie man denn ein verrußtes Kaminofenfenster denn am besten reinigen könne. „Mit wem telefonierst Du da?“ – „Mit der Telekom. Aber telefonieren kann man das nicht nennen, ich hänge seit 34 Minuten in der Warteschleife.“

Bei Minute 37 schalte ich meine Rotlichtlampe ein und bestrahle 15 Minuten lang meine Stirn. Stirnhöhlenentzündung. In der Hoffnung, dass die Zeit schneller vergeht. Weil 37+15 sind ja 52 und 52 Minuten wird mich die Telekom wohl nicht warten lassen.

In den 15 Minuten der Bestrahlung meiner entzündeten Stirnnebenhöhlen werde ich kreativ. Wut ist ja eine äußert produktive Kraft. Zuerst verfluche ich alle, die durch die Privatisierung der Telekom Austria dafür gesorgt haben, dass ihnen die Privatkunden völlig wurscht sind und Servicequalität wurscht ist. Bank Austria und Telekom Austria führen nicht nur das „Austria“ gemeinsam im Namen, sie haben auch für Privatkunden gleich viel übrig.

„Das persönliche Gespräch ist uns wichtig. Und dafür nehmen wir uns ausführlich Zeit. Das kann manchmal etwas länger dauern, aber GLEICH sind Sie an der Reihe.“ WAS ZUM TEUFEL HEISST G-L-E-I-C-H IN EURER BESCHISSENEN TELEKOMWELT?

Ich komme zu Schluß, dass die simple Bestrafung durch Buttersäureanschlag nicht reicht. Aber auch ein normaler Amoklauf wäre fad, weil das Leiden ja viel zu kurz wäre.

Die Rotlichtbestrahlung ist vorbei. Wir halten bei Minute 52. Meine neue Freundin sagt mir, dass ich GLEICH an die Reihe komme und ihr das persönliche Gespräch wichtig sei.

Häuten wäre was. Ganz langsam. Und dabei vielleicht Witze erzählen, schließlich macht das der CEO auch. Bei der Weihnachtsfeier.

Minute 54, 23 Sekunden. EIN KLINGELTON. Meine Freundin verlässt mich und eine neue Freundin mit Kärntner Idiom tritt an Ihre Stelle. Ich schildere kurz mein Anliegen, sehr knapp. : „Meine Anschlussnummer lautet wie folgt, das ist mein Kundenkennwort, bitte um Benutzername und Kennwort für meinen Internetanschluss, danke.“ – „Ui, da sind etwas falsch, ich verbinde sie gleich weiter, die Kollegen sind gleich für Sie da.“

DANKE!

Und die Uhr rennt weiter. Nach 58 Minuten und 50 Sekunden erreiche ich endlich jemanden, der mir innerhalb von einer Minute meine Daten ansagt und das Problem ist erledigt. Dann erklärt er mir noch, und das sehr freundlich, dass ich mich jederzeit bei Problemen an die Hotline wenden sollen, aber nicht an die 0800 664 100, sondern an die kostenpflichtige Hotline (Euro 1,56/Min), weil man da GAR NICHT warten müsse.

Nach 1 Stunde 2 Minuten und 40 Sekunden endet meine heutige Beziehung zur Telekom.

Ich werde jetzt in den Wald gehen und ein paar Bäume umhacken. Damit nichts Gröberes passiert.