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“Adolf Hitler, wir brauchen Dich dringend”

Seit Jahren bin ich in sozialen Medien unterwegs und interessiere mich überdurchschnittlich für Politik. Es ist auch zu guten Teilen mein Beruf.

Seit Jahren beobachte ich, dass -sicher auch sichtbarer durch Social Media als früher- Aggressionen zunehmen und Feindbilder bedient werden.

Seit Jahren lese ich Dinge, die ich ob ihrer Dummheit gar nicht glauben kann. Noch weniger kann ich dann meist glauben, dass das Leute mir ihrem Klarnamen posten.

Seit Jahren legt die FPÖ bei Wahlen überdurchschnittlich zu, antisemitische und rassistische Übergriffe ebenso.

Seit Jahren denke ich mir, dass das keine relevante Anzahl an Menschen sein kann und “wir” eh noch in der Mehrheit sind.

Seit Jahren hetzen FPÖ und Kronen Zeitung gegen “Ausländer”, “Asylanten” und “Fremde.

Das Ergebnis kann man sich auf eaudestrache.at ansehen. Die Seite listet Postings von FPÖ-Sympathisanten und FPÖ-Mitgliedern auf FPÖ-Seiten und/oder anderen Seiten auf.

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Seit Jahren bemühen sich unzählige Initiativen und NGOs um ein besseres Miteinander, um Aufklärung.

Seit Jahren hat es keine so große Hoffnung für einen Aufschwung für ein weltoffenes Österreich gegeben.

Seit Jahren hoffen Homosexuelle auf Gleichstellung, seit genauso langer Zeit hetzt die FPÖ dagegen.

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Seit Jahren sorgt der Ton auf FPÖ-Plakaten für eine Verschärfung des Umgangstons in der Politik.

Seit Jahren versucht die FPÖ Sorgen, Frust und Abstiegsängste auszunutzen und präsentiert Schuldige.

Seit Jahren schürt die FPÖ Hass, Aggression und Ablehnung.

Seit Jahren appeliert die FPÖ oft mehr, oft weniger deutlich an das völkische Bewusstsein ihrer Anhänger.

Seit Jahren werden politische Mitbewerber denunziert, beschimpft, beleidigt.

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Seit Jahren geht das nun so.

Seit Jahren haben viele Menschen Angst. Angst, weil sie einer Minderheit angehören. Weil sie keine geborenen Österreicher in zwanzigster Generation sind.

Seit Jahren fühlen sich Menschen bedroht. Und ich gestehe: Auch mir macht vieles davon Angst.

SCHNITT

Die Identitären rufen am 6.6. zu einer Demonstration gegen den, wie sie ihn nennen, GROSSEN AUSTAUSCH auf. Und sie beschreiben ihr Vorhaben auf www.deraustausch.at ausführlich.

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Kurz gesagt: Es gibt einen Geheimplan zur Ausrottung unserer Rasse. Wir sollen durch Schwarze und andere ersetzt werden. Darum muss man sich wehren. So weit, so krank.

Man muss sich ja nur deren Seite durchlesen. Alle adrett gekampelt, meist Burschenschafter, viele sind FPÖ-Funktionäre. Was die schreiben, was die denken und was sie tun ist alles weit weg von der Realität. Es ist Gaga. ABER: Es ist sehr gefährlich.

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Diese Identitären haben nun vorgestern den Balkon einer EU-Agentur am Schwarzenbergplatz besetzt und ich war zutiefst schockiert.

Sind wir schon wieder so weit gekommen, dass braune Horden durch unsere Straßen ziehen? Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt? Hat die jahrelange Hetze der FPÖ nun gesiegt?

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Und ja, in diesem Moment habe ich getwittert, dass man die vom Balkon runterschießen solle. In meiner Emotion. Unter dem Eindruck der jahrelangen Hetze und der Entwicklung unserer Gesellschaft. Des Hasses.

Das Bild von dieser Demo war grauenhaft. Einschüchtern.

Trotzdem war meine Aussage war falsch. Genauso dumm wie der folgende Tweet, den man als Gewaltaufruf verstehen hätte können, in dem ich dazu aufgerufen habe, die Identitären am 6.6. zu zertrümmern. Gewalt löst kein Problem und ich hoffe sehr, dass wir nie an den Punkt kommen, wo wir uns mit Gewalt gegen braune Horden wehren MÜSSEN.

Ich habe diese meine Aussagen sofort als Fehlleistung bezeichnet. Damit war für mich die Geschichte erledigt. Doch dann kam die Heuchelei: FPÖ-Generalsekretär Vilimsky, den keiner ob seiner Arbeit kennt, hat da natürlich Lunte gerochen, um einem Linken etwas umzuhängen und hat meine Tweets sofort publiziert, worauf ich nette Fanpost und Postings erhalte.

Drohnungen, Beschimpfungen und Lustiges.

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Seit Jahren kämpfe ich gegen die FPÖ, deren Methode und die Folgen ihrer Menschenhetze. Es hat mir bisher rund 26 Klagen eingebracht und mehr als 150.000 EUR gekostet.

Seit Jahren fühle ich mich immer wieder mal bedroht, aber das vergeht ja wieder.

Seit Jahren komme ich hin und wieder an den Punkt, an dem ich mir denke, wofür kämpft man da eigentlich. Macht das Sinn?

Es hat noch nie so viel Sinn gemacht wie heute. Es ist eigentlich unsere Pflicht.

 

UPDATE: Die Identitären prüfen eine Klage gegen mich. Sagen sie hier in der Presseaussendung: LINK  Das beeindruckt mich natürlich wahnsinnig.