SchwuleAmpel

Wir sind tolerant. Und wie! – Über Schwuchtelampeln, Neger und Weiber

Es gibt in Wien rund 1.280 Ampelanlagen. Sagt die Stadt Wien. Auf ganzen 49  – das sind 3,83% (würde bei einer Wahl nicht für den Einzug reichen, Anm.) – sind jetzt Homo-Pärchen zu sehen. Mit ein paar Herzerln. Das reicht natürlich für einen Aufreger allemal aus. Schwuchtelampeln! Man muss seine Augen bedecken, um nicht umgehend schwulifiziert zu werden. Könnte man meinen, wenn man vielen Online-Kommentaren Glauben schenkt. Auf Krone.at voten rund 88% gegen die Beibehaltung der Homo-Ampeln, was nichts daran ändert, dass sie bleiben werden. Was auch gut ist.  Sind ja ein tolles Signal. Für Offenheit, Toleranz und so. Auch David Alaba ist so ein Signal. Mit Negern kann der gemeine Österreicher nichts anfangen. Mit unserem David Alaba aber schon. Der ist halt ein Ausnahme-Neger. Übrigens sind wir ja sehr tolerant. Hier bei uns. Glauben wir von uns selbt, sagt eine neue Studie. Dieselbe Studie sagt aber, dass wir unsere Nächsten für nicht wirklich tolerant einstufen.  Oder Conchita. Unsere Heldin. Unser Held. Ein/e Gewinner/in! Das schwul sein ist dem/der halt passiert, aber singen tut sie/er super. Wir sind ja auch für Frauen in der Politik, wählen sie halt nur nicht. Mehr Frauen ih Führungspositionen wären total super, aber als Chefin zum Beispiel? So weit kommts noch, dass uns ein Weib erklärt, wie ich meine Arbeit zu machen habe. Außerdem tragen wir sowieso hin und wieder den Müll raus, und helfen mit. Aber dieses Gerede von Gleichstellung von diesen frustrierten, ungefickten Emanzen regt uns schon auf.  Lesben finden wir besser als Schwule. Weil wir ja das schon geil finden, wenn zwei Frauen…

Das mit den Schwuchteln ist sowieso so ein Thema. Wir haben ja an sich kein Problem damit, solange es nicht der eigene Sohn ist. Wir finden, dass man tolerant sein muss, aber gemeinsam duschen muss nicht sein. Wer will schon das Gefühl entwickeln, dass man nun zum Opfer einer Belästigung werden könnte. Nein, die Belästigung, das ist ein Privileg für uns. Im Umgang mit Kellnerinnen zum Beispiel. So ein Grapscher ist ja nichts Schlimmes. Bis zum Heiraten ist alles wieder gut. Vielleicht lernt man ja so seine Zukünftige kennen. Die heiratet man dann. Das dürfen die Schwuchteln allerdings noch nicht. Was komisch ist, weil sie ja die selben Rechte haben sollten, aber Ehe, naja, ich weiß nicht. Das geht uns dann schon zu weit. Oder Kinder adoptieren. Die werden dann vielleicht auch schwul. Oder lesbisch. Oder lassen sich einen Bart wachsen. Es reicht doch, dass jetzt rund um Life Ball und Song Contest alle glauben, dass wir eh tolerant seien. Dazusagen, dass Schwule und Lesben rechtlich alles anderes als gleichgestellt sind, müssen wir ja nicht. Es geht ja ums Signal. Das ist total wichtig. Wichtiger ist ja das, was die anderen von uns denken und nicht das, was wir eigentlich sind.

Eigentlich sind wir also schon tolerant. Wir tolerieren, dass wir rund um die Uhr von jenen verarscht werden, die wir gewählt oder nicht gewählt haben. Wir tolerieren, dass die mit unserem Geld eigentlich ziemlich viel Blödsinn machen. Übrigens war der Hypo-Generaldirektor weder ein Weib, noch Neger, noch Schwuchtel. Aber das wär ja noch schöner.

Der nächste Diversity-Ball kommt bestimmt. Und wenns der nicht ist, dann ist es der Life-Ball. Oder so eine Flüchtlings-Gala, bei der wir wieder Geld für die ertrinkenden Negerkinder sammeln. Weil sterben sollen sie nicht, sie sollen ruhig leben dürfen. So tolerant sind wir nämlich schon lang.