Geld gibt’s nur für Qualität: Vorschlag zur Neugestaltung der Presseförderung

Es vergeht kaum ein Tag an dem man sich nicht über die Berichterstattung diverser Medien ärgert. Eine Berichterstattung, die mit anständigem Journalismus nichts zu tun hat, nur mehr ökonomischen Kriterien unterworfen ist. Eine Berichterstattung, die man sich als Inserent -sei es von staatlicher oder welcher Seite auch immer- kaufen kann. Eine Berichterstattung, die mit der ureigensten Aufgabe von Journalismus nichts mehr zu tun hat. Objektiv berichten, subjektiv kommentieren.

Im besten Fall wird in Österreich “He said, she said”-Journalismus betrieben, Gesagtes wird ohne Realitäts- und Faktencheck geschrieben, Hintergründe kaum beleuchtet, so gut wie nie gefragt “Stimmt denn das überhaupt was XY sagt?”. Im schlechtesten Fall ist es übelstes Schmierfinkentum, egal ob bunt oder schwarz-weiß. In der Mitte stehen Medien, deren Content zu einem großen Teil 1:1 von der APA übernommen ist.

Break.

40% können sich vorstellen, Strache oder Stronach zu wählen, beklagt Christian Rainer im dieswöchigen Profil-Leitartikel. Er unterstellt eine gewisse Verdummung. Diese Verdummung gibt es, doch ist jemand klüger der Faymann oder Spindelegger wählt? Darum geht es gar nicht. Es geht darum woher wir unsere Informationen beziehen. In Wien beziehen rund 60% der Menschen ihre tägliche Info aus “Krone”, “Österreich” und/oder “Heute”. Die Stadt Wien gibt rund 15 Mio EUR pro Jahr für Inserate aus. Dieses Geld rinnt zu 95% in die Kassen dieser drei Zeitungszaren. Man kennt sich.

Was mich daran stört ist die Tatsache, dass dadurch eine Art von Journalismus zu einem guten Teil mit Steuergeld finanziert wird, der keinen gesellschaftlichen Nutzen bringt.

Wir alle sind uns einig, dass wir enorme Anstrengungen tätigen müssen, um im Bildungsbereich etwas voranzubringen. Das Ziel: gebildetere Menschen. Gebildete Menschen sind unanfälliger für Populismus, Schlagzeilen-Politik, Boulevardgedöns.

Aufgeklärte Bürger nehmen aktiver am demokratischen Leben teil, hinterfragen, sind kritisch, bringen eine Gesellschaft weiter.

Der Staat hat lenkende Funktion. Warum übt er diese im Medienbereich nicht aus? (Er übt sie eh aus. Nur halt falsch: siehe ORF und Boulevard)

Bisher werden pro Jahr rund 11 Mio EUR an Presseförderung ausgeschüttet und mehrere Dutzend Millionen EUR per anno an Inseratengeldern verteilt. Von Ministerien, Landesregierungen und (halb)-staatlichen Unternehmen.

Es ist Zeit, Unkonventionelles zu fordern. Oder zumindest zu überlegen. Ich hab da eine Idee und ich möchte sie mit Ihnen teilen.

  1. Die staatliche Presseförderung wird um den Betrag erhöht, um den die öffentlichen Einrichtungen bisher inseriert haben. Sagen wir die Presseförderung NEU beträgt 70 Mio EUR per anno.
  2. Die Presseförderung NEU wird in eine Art “Abo-Zuschuss” umgewandelt. D.h. jede/r Steuerzahlerin kann ein Abo zu einem stark vergünstigten, weil bezuschussten Preis beziehen. (Überlegenswert wäre unter Umständen ein geringer Basisbetrag zuzüglich zweckgebundenem Abo-Zuschuss)
  3. Jede Zeitung, die den Abo-Zuschuss beantragt muss den staatlichen Einrichtungen im Gegenzug ein gewisses Seitenkontigent per anno für Einschaltungen im öffentlichen Interesse zur Verfügung stellen. (Aufbauend auf den Erfahrungswerten der Vorjahre)
  4. Presseförderung beantragen können ausschließlich Medien, die sich einem Katalog unterwerfen, der vom Presserat erarbeitet werden soll, z.B.  Qualitätsberichterstattung entsprechend klar definierter Kriterien, kollektivvertragliche Bezahlung aller VerlagsmitarbeiterInnen.
  5. Das Ziel: JedeR soll sich in Zukunft ein Abo leisten können. Und zwar ein Abo einer Zeitung, die Qualitätsansprüche erfüllt und zur Bildung unserer Staatsbürger beiträgt.
  6. Dies würde dazu führen, dass der Boulevard sich entweder ändern müsste oder eben keinen Cent Steuergeld mehr bekäme. Umgekehrt wäre die Politik von einem geschwächten Boulevard nicht mehr so leicht zu erpressen.
  7. Die Mittelklasse-Zeitungen müssten ihre Qualität ebenso anheben, um die Kriterien zu erfüllen. Weniger APA-Copy&Paste-Journalismus wäre die Folge.

Den Gedanken sollte man nun mit Zahlenspielen fortführen und politisch aufgreifen. Wer mag?

 

 

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